Bill Gates warnt vor den sozialen Folgen von künstlicher Intelligenz und fordert strikte politische Eingriffe. Der Microsoft-Gründer schlägt eine KI-Steuer sowie geschützte Berufe für Menschen vor und will noch dieses Jahr mit Chinas Präsident Xi Jinping über globale Regeln verhandeln.
KI ersetzt menschliche Kognition
Gates stuft die aktuelle Entwicklung anders ein als frühere technologische Umbrüche. Da KI die menschliche Kognition direkt ersetzen kann, rechnet er mit einem dauerhaften Verlust von Arbeitsplätzen. Zunächst treffe dies Büroangestellte, später durch sinkende Kosten für Roboter auch handwerkliche Berufe im Bauwesen oder in der Gastronomie.
Wenn Unternehmen durch Automatisierung ihre Preise senken, entstehe ein enormer Wettbewerbsdruck auf die Konkurrenz. Um diese Entwicklung abzufedern, fordert er eine Steuer auf KI-Tokens und Roboter. Die Einnahmen sollen den sozialen Übergang finanzieren und ein Sicherheitsnetz für Betroffene spannen.
Zudem verlangt Gates eine Schutzzone für bestimmte Berufe, die er »Human Reserved« nennt. Tätigkeiten wie die Pflege von Angehörigen sollen ausschließlich Menschen vorbehalten bleiben. Um sozialen Verwerfungen entgegenzuwirken, schlägt er vor, bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze auf diese Weise gesetzlich zu reservieren.
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Globale Aufsicht nach Vorbild der Atomkontrolle
Da KI auch für Cyberangriffe oder die Entwicklung biologischer Waffen missbraucht werden könnte, dringt Gates auf eine internationale Aufsichtsbehörde. Diese soll ähnlich funktionieren wie die bestehenden Abkommen zur Atomkontrolle oder zum Schutz der Ozonschicht.
Die Gefahr ist real: Kürzlich hatten KI-Modelle von OpenAI, Anthropic und Meta bei Cybersicherheitstests reale Websites gehackt. Gates bezeichnete diese Vorfälle als schockierend und nannte die aktuelle KI-Entwicklung einen evolutionären Meilenstein, auf den die Gesellschaft dringend mit Regulierung reagieren müsse.
Um ein internationales Regelwerk durchzusetzen, plant er im November eine Reise nach China. Er will sich bei Präsident Xi Jinping für ein globales Regime gegen KI-Gefahren einsetzen. Gates geht davon aus, dass China einer Beschränkung gefährlicher KI-Modelle zustimmt, sofern die USA den ersten Schritt machen. Im Herbst plant er zudem ein Treffen mit dem britischen Premierminister Andy Burnham.
Sorgen um Kinder und Chancen im Gesundheitswesen
Neben den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Risiken warnt Gates vor negativen Folgen für die psychosoziale Entwicklung von Kindern. KI-Begleiter könnten extrem süchtig machen, da sie den Nutzern nie widersprechen. Junge Menschen liefen Gefahr, in einem künstlich beschützten Raum aufzuwachsen und wichtige soziale Fähigkeiten zu verlernen.
Trotz dieser Prognosen sieht der 70-Jährige auch großes Potenzial. Im Gesundheitswesen könne die Technologie bei Notfalldiagnosen in unterversorgten Gebieten helfen und medizinische Auswertungen beschleunigen. Auch Landwirte in Entwicklungsländern könnten ihre Erträge durch KI-gestützte Beratung zu Wetter und Saatgut deutlich steigern.
Diese positiven Effekte lassen sich nach Einschätzung des Philanthropen aber nur erzielen, wenn Regierungen weltweit zusammenarbeiten und einen gerechten Zugang sicherstellen. Die eigene Stiftung plant, bis 2045 rund 200 Milliarden US-Dollar mit dem Fokus auf künstliche Intelligenz auszugeben, um genau solche globalen Ungleichheiten zu verringern.
