Zwei Roboter gehen in Flammen auf

World Robot Games 26 live: Erst Rekorde, dann Flammen und Sanitäter

Andreas Becker GPT-Images-2.0
Zwei Roboter gehen in Flammen auf

Ein humanoider Roboter sprintet 100 Meter in 9,32 Sekunden und unterbietet den menschlichen Weltrekord. Hinter der Ziellinie versagen die Bremsen, die Maschine prallt gegen eine Wand und fängt Feuer. Der Vorfall prägt die aktuellen World Humanoid Robot Games in Peking.

Weltrekord mit Totalschaden

Ein Video des 100-Meter-Laufs verbreitet sich derzeit rasant. Darauf ist der humanoide Roboter »Lightning« des chinesischen Herstellers Honor zu sehen. Er absolviert die Distanz in einem Testlauf in 9,32 Sekunden.

Zum Vergleich: Der Weltrekord von Usain Bolt liegt bei 9,58 Sekunden. Im offiziellen Vorlauf kam der Roboter auf 9,47 Sekunden. Auch das Konkurrenzmodell »Tiangong Ultra« vom Beijing Humanoid Robot Innovation Center blieb mit 9,39 Sekunden unter der menschlichen Bestmarke.

Die Bilder nach dem Zieleinlauf offenbaren allerdings die mechanischen Grenzen. Beide Maschinen beschleunigen extrem, können aber nicht rechtzeitig abbremsen.

Quelle: CGTN

Tiangong geriet nach dem Zieleinlauf außer Kontrolle. Lightning rannte ungebremst in die Schutzmatte hinter dem Ziel, brach zusammen und ging in Flammen auf.

Am Ende immer ein ähnliches Bild...

Quelle: CGTN

Von der Show zur Fabrikarbeit

Der Sprint ist die spektakulärste Disziplin der zweiten World Humanoid Robot Games. Ausgetragen werden die Wettkämpfe bis zum 26. August im »Ice Ribbon«, der Eisschnelllaufhalle der Olympischen Winterspiele 2022.

Die Eröffnungszeremonie war entsprechend groß inszeniert. Roboter spielten gemeinsam mit einem menschlichen Orchester. Es gab Robotertrommler, eine symbolische Fackelzeremonie und Demonstrationen mit bekannten chinesischen Sportlern. Auch ein 7-gegen-7-Fußballspiel stand auf dem Programm.

Live kann man das Spektakel auf Youtube mitverfolgen. Dort wird täglich auf CGTN berichtet, der Link kann sich ändern:

Die Veranstaltung ist innerhalb eines Jahres enorm gewachsen. 2025 traten 500 Roboter an. In diesem Jahr sind es 2056 humanoide Maschinen aus 16 Ländern in 51 Disziplinen. Der internationale Anstrich täuscht jedoch etwas. 1975 der gemeldeten Roboter stammen aus China, auch wenn Teams aus Deutschland, den USA oder Japan vertreten sind.

Der Fortschritt der reinen Fortbewegung ist unverkennbar. Tiangong Ultra benötigte für die 100 Meter vor einem Jahr noch 21,50 Sekunden. Heute sind es unter 10 Sekunden.

Ein Tiangong-Modell lief die 400 Meter in 39,7 Sekunden. Das ist mehr als drei Sekunden schneller als der menschliche Weltrekord von Wayde van Niekerk. Solche Werte dienen als technologischer Benchmark, auch wenn der sportliche Vergleich mit Menschen aufgrund völlig anderer mechanischer Voraussetzungen hinkt.

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Autonomie als eigentlicher Test

Die wirkliche Herausforderung der diesjährigen Wettkämpfe liegt abseits der Tartanbahn. Es gibt 21 neue, szenarienbasierte Disziplinen. Vor einem Jahr war das Event primär eine Show, bei der Roboter boxten und spektakulär umfielen.

Neben Kampfsport oder Tauziehen müssen die Maschinen nun komplexe Arbeitsabläufe bewältigen. Einige Aufgaben finden in nachgebauten Hotel- oder Wohnumgebungen statt. Andere simulieren reale Fabrikbedingungen.

Die Roboter müssen Pakete sortieren, Materialien zuführen, Werkzeuge benutzen oder ein Elektroauto laden. Mehr als 40 Prozent der 1301 einzelnen Wettbewerbseinheiten erfordern vollständig autonomes Arbeiten.

Hier zeigt sich die wahre Hürde der Allzweckrobotik. Ein Kabel in einer unstrukturierten Umgebung zu erkennen, aufzuheben, auszurichten, einzustecken und dabei Fehler selbstständig zu korrigieren, ist deutlich anspruchsvoller als ein Sprint. Die Veranstalter vergeben in diesen alltagsnahen Kategorien die meisten Medaillen. China will beweisen, dass die Roboter einen echten Job erledigen können.

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Dominanz auf dem Weltmarkt

Parallel zu den Wettkämpfen findet in Peking die World Robot Conference 2026 statt. Dort präsentieren mehr als 300 Unternehmen ihre Produkte, darunter 150 Premieren.

Quelle: worldrobotconference

Die Messe liefert den wirtschaftlichen Hintergrund zu den sportlichen Leistungen im Eisstadion. Chinesische Hersteller beherrschen den Weltmarkt für humanoide Hardware inzwischen deutlich.

Nach Daten von Smart Analytics Global wurden im ersten Halbjahr 2026 weltweit etwa 19.100 humanoide Roboter ausgeliefert. Mehr als 97 Prozent davon kamen aus China. Das Unternehmen AgiBot sicherte sich mit 8400 Einheiten 44 Prozent Marktanteil. Unitree kam mit 5900 Robotern auf 31 Prozent.

Quelle: worldrobotconference

Das Marktforschungsunternehmen IDC fasst den Begriff des humanoiden Roboters etwas enger, sieht den chinesischen Anteil aber ebenfalls bei hohen 82 Prozent.

Die Kombination beider Veranstaltungen in Peking verdeutlicht die aktuelle Strategie. Auf der Messe zeigt die Industrie, welche Stückzahlen sie bereits produzieren kann. Bei den Robot Games demonstriert sie die technischen Fähigkeiten der Maschinen im praktischen Einsatz.

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