Wenn über künstliche Intelligenz diskutiert wird, dominieren oft dieselben Stimmen den Diskurs. Sam Altman skizziert die Ziele von OpenAI. Dario Amodei warnt vor den Folgen kommender Modellgenerationen. Mark Zuckerberg spricht über Superintelligenz, während Elon Musk eine Zukunft prognostiziert, in der Arbeit irgendwann freiwillig wird.
Diese Akteure vertreten nicht zwingend dieselbe politische Richtung, stammen aber aus einer ähnlichen Welt. Dieser stark technologiegetriebene Blick auf die Zukunft wird vom Silicon Valley, milliardenschweren Tech-Konzernen und Investoren geprägt. In diesem Zusammenhang fällt häufig der Begriff der »Tech Bros«.
Er beschreibt eine Perspektive, die die aktuelle KI-Debatte maßgeblich bestimmt. Technologie dient hierbei als Ausgangspunkt. Entsprechend lauten die Leitfragen: Wie gut werden die nächsten KI-Modelle? Wann ist eine künstliche allgemeine Intelligenz erreicht? Welche Risiken entstehen? Und wer führt im internationalen Wettbewerb?
Die Eigentumsfrage der Technologie
Die Entwicklung lässt sich jedoch auch völlig anders betrachten. Das zeigt ein Blick auf linke Positionen zur künstlichen Intelligenz. In den USA gehört Bernie Sanders zu den prominentesten Kritikern.
Der linke US-Senator warnt regelmäßig davor, dass KI und Robotik Millionen Arbeitsplätze verdrängen. Er kritisiert, dass die wirtschaftlichen Gewinne fast ausschließlich bei wenigen Unternehmen und deren Eigentümern landen.
Im März brachte Sanders gemeinsam mit Alexandria Ocasio-Cortez einen Gesetzentwurf für ein Moratorium beim Bau neuer Rechenzentren ein. Später schlug er vor, die amerikanische Öffentlichkeit zur Hälfte an den größten KI-Unternehmen zu beteiligen.
Die zentrale Frage lautet bei ihm daher anders als bei vielen Tech-Unternehmern. Sie zielt nicht auf die technischen Fähigkeiten, sondern auf die Besitzverhältnisse und die Verteilung der Folgen. Wem gehört die Technologie? Wer profitiert davon? Und wer trägt die sozialen Kosten?
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Linke Perspektiven aus Deutschland
In Deutschland findet sich zu diesem Blickwinkel derzeit umfangreiches Material bei der Tageszeitung »nd«. Die Publikation wird seit 2022 von einer Genossenschaft getragen.
Im Juli und August veröffentlichte das Blatt zwei größere Schwerpunkte rund um künstliche Intelligenz. Die Texte reichen von nüchternen Betrachtungen über Kapitalismuskritik bis zur Forderung, generative Modelle weitgehend abzulehnen.
Ein Schwerpunkt schaut auf das Fundament hinter den KI-Modellen. Die Artikel behandeln den Wasser- und Stromverbrauch der Rechenzentren, die Situation von Datenarbeitern und die Frage, wer von steigender Produktivität profitiert. Weitere Themen sind die Investitionen der Tech-Konzerne, der Wettbewerb mit China sowie der lokale Widerstand gegen neue Infrastruktur.
Kritik an Chatbots
Der zweite Schwerpunkt geht stärker auf Grundfragen ein. Er widmet sich der Machtkonzentration, Desinformation und der Frage nach der Wahrheit. Zudem diskutieren die Autoren, ob die alltägliche Nutzung von Chatbots wie ChatGPT oder Claude aus linker Sicht überhaupt sinnvoll ist.
Eine selbstkritische Position vertritt der Artikel »KI-Nutzung: Bröckelndes Hirn«. Der Text nimmt die Sorgen vor geistiger Abhängigkeit durch die Technologie ernst, kritisiert aber alarmistische Schlagzeilen angesichts einer noch dünnen Studienlage. Er lässt die Möglichkeit offen, dass Chatbots als Sparringspartner das eigene Denken unterstützen können.
Einen strikteren Ansatz verfolgt der Text »Claude ist keine Genossin«. Dort wird bereits die individuelle Nutzung generativer KI grundsätzlich abgelehnt. Wer sich Arbeit abnehmen lässt, helfe langfristig dabei, genau diese Arbeit billiger, austauschbarer und stärker unter die Kontrolle großer Konzerne zu bringen.
Leser müssen nach der Lektüre nicht zwingend dieselben politischen Schlüsse ziehen. Wer sich jedoch vorwiegend mit den Perspektiven aus dem Silicon Valley beschäftigt, findet in diesen Texten Fragestellungen, die im alltäglichen Diskurs über künstliche Intelligenz kaum Beachtung finden.
Die sehr umfangreichen Artikel kann man hier kostenlos lesen.
