Laut einem Bericht von netzpolitik.org hat die Berliner Polizei am Kottbusser Tor rund 30 Überwachungskameras installiert, die an ein KI-System zur Verhaltensanalyse angeschlossen sind. Eine passende Software analysiert diese Videostreams und schlägt bei unerwünschtem Verhalten sofort Alarm.
Kalibrierung vor dem echten Einsatz
Das Projekt beginnt zunächst mit einer Testphase. Die Polizei bindet die Kameras nach und nach ein, um die Software des IT-Dienstleisters Adesso an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.
Die Polizei nutzt dafür zwei Kameratypen des schwedischen Herstellers Axis. Ein Modell liefert 180-Grad-Panoramabilder in 8k-Auflösung, die laut Hersteller auch beim Zoomen und bei wenig Licht scharf bleiben.
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Ausweitung auf weitere Städte
Nach Mannheim und Hamburg ist Berlin die dritte deutsche Stadt, die Straßen mit dieser Technologie überwacht. Eine Ausweitung in der Hauptstadt ist bereits beschlossen: Künftig sollen die Kameras auch an der Warschauer Brücke hängen.
Auch andere Bundesländer rüsten auf. In Baden-Württemberg plant das Innenministerium, den Einsatz von Verhaltensscannern mit automatisierter Gesichtserkennung und Abhöranlagen zu koppeln. Hessen, Sachsen und das Saarland haben die rechtlichen Grundlagen für die KI-Überwachung bereits geschaffen.
Nach der parlamentarischen Sommerpause soll der Bundestag zudem den Einsatz durch die Bundespolizei an Bahnhöfen legitimieren.
Kritik an mangelnder Transparenz
Am Kottbusser Tor stieß der Aufbau auf Überraschung. Vorab gab es keine Aushänge über die dauerhafte Videoüberwachung. Anwohner und Gewerbetreibende äußern Sorgen um ihre Privatsphäre.
Ercan Yasaroglu, Betreiber des lokalen Café Kotti, fürchtet durch die Überwachung eine weitere Gentrifizierung. »Wir bauen unsere demokratischen Werte ab und stattdessen ein Überwachungssystem auf«, sagt er.
Ob die Verhaltenserkennung die Kriminalität messbar senkt, ist bislang nicht belegt. Eine unabhängige Evaluation der bestehenden deutschen Projekte gibt es derzeit nicht.
