Ein Mensch bedient ein Laborgegenstand

Anthropic entwickelt offenen Standard für KI-Agenten und Hardware

Andreas Becker GPT-Images-2.0
Ein Mensch bedient ein Laborgegenstand

Anthropic hat den »Model Hardware Standard« (MHS) als Vorschau veröffentlicht. Die Spezifikation ermöglicht es KI-Agenten, physische Labor- und Fertigungsgeräte direkt zu steuern. Das verkürzt die Anbindung neuer Geräte von mehreren Wochen auf wenige Stunden.

Einheitliche Kommunikation statt Einzelanpassung

Bislang erfordert die Vernetzung von Geräten in Laboren oder Fabriken viel Zeit. Jede Maschine nutzt eigene Programmierschnittstellen. Das erfordert den Einsatz von Spezialisten für jede Anbindung.

MHS führt nun einen standardisierten Treiber ein. Er übersetzt zwischen dem Betriebssystem und der jeweiligen Hardware. Der Treiber nutzt grundlegende Befehle wie »Lesen« oder »Schreiben«, die jedes programmierbare Gerät verarbeiten kann.

Dadurch erkennen sich die Maschinen und der KI-Agent im Netzwerk gegenseitig. Ein eigens programmierter Übersetzer dazwischen entfällt.

MHS hilft KI-Agenten, unbekannte Geräte zu bedienen. Dafür enthält der Treiber Text-Tags, in denen Nutzer Eigenschaften wie das Gewicht eines Roboterarms im Klartext festhalten. Aus diesen Informationen erstellt MHS automatisch eine Referenzdatei.

Sie teilt dem Agenten mit, was er messen oder anpassen kann und welche Sicherheitslimits gelten. Danach kontrolliert der Agent die Hardware über Mechanismen wie das Model Context Protocol, Kommandozeilen oder APIs.

Der Agent plant so Versuchsschritte über mehrere Instrumente hinweg, überwacht Ergebnisse und passt Parameter während des Betriebs an. Bei Bedarf fasst er Befehle in Skripten zusammen, damit die Maschinen Routineaufgaben eigenständig abarbeiten.

Erste Tests mit Amazon und Doosan

Amazon Web Services unterstützt den Standard bereits über seine Bibliothek »Strands Robots«.

Doosan Robotics nutzt die Spezifikation an Roboterarmen zur Qualitätskontrolle. Auch Hugging Face und Raspberry Pi arbeiten an einer Integration für ihre Produkte.

Bei ersten Versuchen passte Claude beispielsweise einen Laser an und überprüfte das Ergebnis über eine Kamera. Das Modell wiederholte den Vorgang so lange, bis es den physikalischen Ablauf verstand. Danach schrieb Claude ein Skript, um den Laser künftig mit einem einzigen Befehl auszurichten.

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Grenzen des Modells

Trotz dieser Fähigkeiten benötigt Claude weiterhin menschliche Aufsicht. Da das Sprachmodell die physische Welt nur durch Text und Bilder kennt, stößt sein räumliches Verständnis an Grenzen.

Bei Experimenten mit Proteinproben mussten Forscher von Genentech das Modell erst darauf hinweisen, dass Schaumbildung ein physischer Fehler und kein Software-Bug ist. Das erforderte händische Eingriffe am Gerät, die Claude nicht selbst ableiten konnte.

MHS setzt eine bestehende Programmierschnittstelle am Gerät voraus. Anthropic nimmt aktuell Bewerbungen von Entwicklern für die Vorschau-Phase entgegen. Nach der Ausarbeitung weiterer Sicherheitsrichtlinien will das Unternehmen den Standard als Open Source veröffentlichen.

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