Eine Enigma im zweiten Weltkrieg

KI knackt zwei ungelöste Enigma-Funksprüche der SS-Totenkopf-Division

Andreas Becker GPT-Images-2.0
Eine Enigma im zweiten Weltkrieg

Forscher haben mit KI-Modellen zwei bisher ungelöste Enigma-Funksprüche der SS-Totenkopf-Division aus dem Zweiten Weltkrieg geknackt. In einem Fall arbeitete GPT-6 Astra weitgehend selbstständig, im anderen bekam Claude Opus 5 gezielte Hilfe.

Astra sucht sich die Aufgabe selbst

Der Entwickler Carter Leffen bat Astra, aus einer Sammlung ungelöster Enigma-Funksprüche einen auszuwählen und zu entschlüsseln. Das Modell entschied sich für die Nachricht MVUEH vom 10. Juli 1941, die seit 2005 als ungelöst galt. Es recherchierte historische Zusammenhänge, stellte eine Verbindung zu einer bereits entschlüsselten Nachricht her und schrieb Programme, die Enigma und die damalige britische Entschlüsselungsmaschine »Bombe« nachbildeten.

Als Anhaltspunkt diente die wiederholte Ortsangabe »Rosenow«. Der Kryptologe Frode Weierud bestätigte den gefundenen Schlüssel und den Klartext. Fehler in der Abschrift und eine ungewöhnliche Bewegung eines Enigma-Rotors hatten frühere Versuche erschwert.

Der Funkspruch enthält eine Bitte um die Angabe des Marschwegs. Der Absender meldet, dass er sich in Rosenow befindet, und verlangt eine sofortige Antwort per Funk. Seine Unterschrift lesen die Forscher vorläufig als »Waschbusch«.

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Claude profitiert von gezielter Vorarbeit

Sechs Tage später gelang Jack Willis mit Claude Opus 5 die Entschlüsselung von FMNGI, einem Funkspruch vom 31. Juli 1941. Willis stellte dem Modell historische Unterlagen und bereits entwickelte Software bereit. Eine vermutete Signatur des SS-Offiziers Friedrich Hartjenstein half bei der Suche nach dem Schlüssel. Weierud bestätigte auch dieses Ergebnis.

In der knappen Nachricht heißt es sinngemäß, eine Kolonne des Korpsnachschubs sei zurück. Darunter steht zweimal Hartjensteins Name. Im entschlüsselten Text blieben Fehler erhalten, etwa »KOLJNNE« statt »KOLONNE«.

Aus den Aufzeichnungen »Astra« geht zudem hervor, dass das Modell auf Akten des Bundesarchivs verwies, die nicht bei Crypto Cellar liegen. Weierud kann bisher nicht klären, woher es die Angaben hatte. Von der untersuchten Sammlung bleiben sieben Enigma-Funksprüche ungelöst. Bei einem weiteren ist der Klartext bekannt, aber der Schlüssel fehlt.

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