Tübinger Forscher haben Claude eingesetzt, um ein Modell für die elektrischen Signale von Nervenzellen zu überarbeiten. In einem Gastbeitrag bei Anthropic vom 6. November erklären Jakob Macke, Daniel Gedon und Stefan Wahl, warum sie mehrere Erklärungen parallel verfolgen. Die drei forschen an der Universität Tübingen und am ELLIS Institute Tübingen.
Ein Kaliumkanal fällt in mehreren Durchläufen auf
Das Team testete sein Verfahren »ModelSMC« mit zehn Spannungsaufzeichnungen von Nervenzellen aus der Großhirnrinde von Mäusen. Als Ausgangspunkt diente eine Variante des Hodgkin-Huxley-Modells. Das Modell beschreibt, wie elektrisch geladene Teilchen durch Kanäle in der Zellmembran fließen und so die Spannung verändern.
Quelle: Anthropic
Claude Sonnet 4.6 schlug Änderungen an diesem Modell vor und schrieb den passenden Code. Das Verfahren simulierte das Verhalten der Zellen mit den vorgeschlagenen Varianten und verglich die Ergebnisse mit den Messdaten. Gut passende Varianten dienten als Ausgangspunkt für weitere Vorschläge.
In neun von zehn Durchläufen lag dieselbe Gruppe von Modellen vorn. Die Modelle dieser Gruppe ergänzten das Ausgangsmodell um einen Kaliumkanal vom M-Typ. Die Simulationen bildeten dadurch besser ab, wie sich die Häufigkeit der elektrischen Impulse bei anhaltender Reizung verändert.
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Wo sich ein neues Experiment lohnt
Mehrere Modelle können zu denselben Messdaten passen und dennoch unterschiedliche Vorhersagen machen. Die Forscher können zum Beispiel am Computer prüfen, was beim Blockieren eines bestimmten Kanals passiert. Sagen die Modelle dabei unterschiedliche Ergebnisse voraus, lässt sich mit einem Laborexperiment testen, welche Erklärung zur echten Nervenzelle passt.

