Zwei Jahre nach den ersten großen KI-Veröffentlichungen bringt Tencent mit der »Hy4 Preview« ein massives Open-Weight-Modell auf den Markt. Es verfügt über 770 Milliarden Parameter und ist auf komplexe, langfristige Aufgaben in der Softwareentwicklung und Forschung ausgelegt.
Quelle: Tencent
Sparsame Architektur
Hy4 basiert auf einer Mixture-of-Experts-Architektur. Von den 770 Milliarden Parametern aktiviert das Modell für jede generierte Texteinheit lediglich 49 Milliarden. Die Verarbeitung läuft über 78 Schichten.
Nach einer klassischen Einstiegsschicht übernehmen 256 spezialisierte Experten die Arbeit. Hy4 wählt für jeden Token die acht passendsten aus und kombiniert sie mit einem permanent aktiven Kern-Experten. Eine zusätzliche MTP-Schicht beschleunigt die Textausgabe durch spekulatives Dekodieren.
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Fokus auf den Arbeitsalltag
Das Kontextfenster fasst eine Million Token. Anwender können dem Modell damit komplette Code-Basen oder umfangreiche Finanzdokumente am Stück übergeben. Die Entwickler haben die Trainingsdaten direkt auf den beruflichen Alltag zugeschnitten.
In der Softwareentwicklung übernimmt Hy4 die Fehlersuche in langfristigen Projekten. In der Spieleentwicklung erstellt es aus Textvorgaben spielbare Prototypen und arbeitet dabei direkt mit den entsprechenden Engines zusammen. Für die Wissenschaft liefert das Modell Ansätze in Bereichen wie Molekulardynamik und Festkörperphysik.
Benchmarks zeigen großen Sprung
Wie die offiziellen Benchmarks zeigen, macht Hy4 im Vergleich zum Vorgänger Hy3 einen großen Sprung. Das Modell misst sich nun direkt mit Spitzenreitern wie GPT 5.6 Sol, Claude Opus 5 und DeepSeek V4 Pro.
Besonders beim autonomen Programmieren sticht Hy4 hervor. Im Test »SWE Atlas Refactoring« erreicht das Modell 53,3 Punkte und schlägt Konkurrenten wie GLM 5.3 (51,9) oder DeepSeek V4 Pro (48,6) deutlich.
Auch bei der Nutzung von Tools punktet Hy4. Im »Toolathlon-Verified«-Benchmark kommt das Modell auf 74,1 Punkte und liegt damit auf Opus 5 und GPT 5.6 Sol Niveau.
Bei komplexen mathematischen Problemen im »HorizonMath«-Test schlägt Tencents Modell mit 8,8 Punkten die Anthropic-KI Claude Opus 5 (5,3). Es muss sich hier allerdings GPT 5.6 Sol (10,6) geschlagen geben.
Tencent räumt allerdings ein, dass die frühe Version noch ineffizient arbeitet. Bei komplexen Aufgaben verbringt das Modell oft unnötig viel Zeit mit logischen Herleitungen und überprüft die eigenen Arbeitsschritte zu oft.
Quelle: Tencent
Preise und Verfügbarkeit
Tencent stellt die Gewichte von Hy4 unter der Apache-2.0-Lizenz auf Plattformen wie Hugging Face zur Verfügung. Dort liegt auch eine komprimierte FP8-Version bereit, die weniger lokalen Speicherplatz beansprucht.
Alternativ lässt sich das Modell über die API der Tencent Cloud abrufen. Eine Million Eingabe-Token kosten 0,834 US-Dollar, die Ausgabe 2,501 US-Dollar. Greift Hy4 auf bereits verarbeitete Eingaben im Cache zurück, sinkt der Preis auf 0,042 US-Dollar.


