300 Beamte in Kärnten werden durch KI-Agenten ersetzt
Während Deutschland noch faxt, prüft in Kärnten längst eine DSGVO-konforme KI die Förderanträge vollautomatisch.

„Humankapitalaufwand“ – dieses bürokratische Wort markiert den Beginn einer neuen Ära in der österreichischen Verwaltung. Das Land Kärnten macht ernst: 300 Beamtenstellen werden in den kommenden fünf Jahren nicht nachbesetzt. Stattdessen übernehmen KI-Agenten die Arbeit. Was für die einen nach kalter Rationalisierung klingt, ist für die anderen der längst überfällige Schritt in die digitale Zukunft.
Der Kollege Computer übernimmt
Während in deutschen Amtsstuben oft noch das Faxgerät surrt, schafft Kärnten Fakten. Die Landesregierung nutzt die kommende Pensionierungswelle – rund 40 Prozent der Belegschaft gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand – für einen radikalen Umbau. 300 dieser frei werdenden Planstellen fallen weg. Die Arbeit verschwindet jedoch nicht, sie wechselt nur den "Besitzer": von Mensch zu Maschine.
Der Fokus liegt dabei zunächst auf Fleißarbeit. Ein eigens entwickelter „KI-Agent“ prüft Förderanträge vollautomatisch. Das System scannt Rechnungen, gleicht Daten ab und bereitet den Akt zur finalen Unterschrift vor. Der menschliche Sachbearbeiter kontrolliert nur noch das Ergebnis – oder greift bei komplexen Sonderfällen ein. Das Ziel ist klar formuliert: Kostensenkung beim Personal und Beschleunigung der Verfahren.
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KärntenGPT: Eigene Infrastruktur statt US-Cloud
Technisch geht Kärnten einen Weg, von dem sich viele deutsche Kommunen eine Scheibe abschneiden können. Statt sensible Bürgerdaten blind in amerikanische Clouds zu schieben, setzt das Land auf „KärntenGPT“. Das System basiert auf dem Open-Source-Modell „Llama“ von Meta, läuft aber vollständig isoliert im landeseigenen Rechenzentrum.
Das löst gleich zwei Probleme: Erstens bleibt die Datenhoheit komplett im Land – ein entscheidender Faktor für die DSGVO-Konformität. Zweitens macht man sich unabhängig von Preiserhöhungen oder Ausfällen externer Dienstleister. Mit initialen Investitionskosten von rund 85.000 Euro wirkt das Projekt im Vergleich zu manch gescheitertem IT-Großprojekt der öffentlichen Hand fast schon wie ein Schnäppchen aus der Portokasse.
Vorbild oder Warnschuss?
Die Strategie ist riskant, aber konsequent. Kritiker sehen im Begriff „Humankapitalaufwand“ eine Entmenschlichung der Arbeit und fürchten, dass der Service am Bürger leidet, wenn kein Ansprechpartner mehr greifbar ist. Befürworter halten dagegen: In Zeiten des Fachkräftemangels ist die Automatisierung von Routineaufgaben die einzige Chance, den Staatsapparat am Laufen zu halten.
Kärnten liefert damit den Praxistest für das, was uns allen bevorsteht. Wenn die Technik funktioniert, wird das Modell Schule machen – auch nördlich der Alpen. Bleibt am Ende nur eine Frage offen: Heißt das jetzt endlich, dass wir auf einfache Anträge keine sechs Monate mehr warten müssen?