Eine Schildkröte in zwei verschiedenen Designs

Gerichtsurteil stärkt Nutzer von KI Bildgeneratoren

Wer ein Foto per KI in einen neuen Stil verwandelt, handelt rechtmäßig. Die abstrakte Idee bleibt ungeschützt.

Andreas Becker GPT-Images-2.0
Eine Schildkröte in zwei verschiedenen Designs

Das Oberlandesgericht Düsseldorf schafft mit einem aktuellen Beschluss rechtliche Klarheit für die Bildbearbeitung durch KI-Modelle. Die rein motivische Umgestaltung eines urheberrechtlich geschützten Fotos durch eine Bild-KI stellt demnach keine Rechtsverletzung dar. Nutzer dürfen bestehende Werke als Vorlage verwenden, solange die »individuellen kreativen Elemente« des Originals im neuen Bild verschwinden.

Streit um ein KI-generiertes Unterwasserfoto

Den Ausgangspunkt dieses Beschlusses bildete der Konflikt zwischen einer professionellen Fotografin und einer Hundeschule. Die Einrichtung nutzte ein markantes Unterwasserfoto eines nach einem Spielzeug schnappenden Hundes als visuellen Prompt für ein KI-Modell.

Die KI generierte aus dieser Vorlage eine völlig neue Grafik im zweidimensionalen Comic-Stil. Zwar blieb das inhaltliche Motiv identisch, doch die ästhetische Umsetzung unterschied sich grundlegend von der ursprünglichen Fotografie.

Die Urheberin sah in diesem Vorgehen eine unzulässige Vervielfältigung ihrer Arbeit. Sie forderte auf gerichtlichem Weg den sofortigen Stopp der Bildnutzung. Das OLG Düsseldorf (Az. I-20 W 2/26) wies diese Klage nun in zweiter Instanz endgültig ab.

Anzeige

Die klare Grenze zwischen Idee und Schöpfung

Die Richter begründen ihre Entscheidung mit einer strikten Trennung zwischen der abstrakten Idee und der konkreten Ausführung. Das Urheberrecht schützt laut dem Urteil ausschließlich die persönliche geistige Schöpfung eines Menschen.

Bei einer Fotografie umfasst dieser Schutz ganz spezifische handwerkliche Parameter. Dazu zählen die gewählte Perspektive, die gezielte Beleuchtung oder das bewusste Spiel mit der Schärfeebene. Das reine Motiv eines tauchenden Hundes bleibt hingegen stets gemeinfrei.

Die Hundeschule übernahm durch den Upload in das KI-Modell lediglich diese ungeschützte Idee. Die prägenden gestalterischen Elemente des Originalfotos verblassten durch den starken Stilwechsel in die Comic-Optik vollständig.

Prompting begründet keinen eigenen Urheberschutz

Das Urteil enthält zudem eine wichtige rechtliche Einordnung zu diesem Thema. In diesem spezifischen Fall gilt das erzeugte KI-Bild nicht als freie Bearbeitung im juristischen Sinn.

Dafür müsste das generierte Bild selbst ein urheberrechtlich geschütztes Werk darstellen. Laut dem Gericht reichen allgemeine Texteingaben in ein KI-Modell jedoch bei Weitem nicht aus, um eine menschliche Schöpfungshöhe und damit einen Urheberschutz zu erlangen.

Dem maschinellen Erzeugnis fehlt die menschliche Kreativität. Da der Nutzer der KI jedoch nicht in den geschützten Bereich der ursprünglichen Fotografie eingriff, bleibt die kommerzielle Verwendung des generierten Bildes legal.

Dies ist keine rechtliche Beratung, sondern eine Einordnung des Urteils.

KI-Wissen ohne Paywall

Unsere Inhalte sind und bleiben kostenlos. Wenn dir unsere News und Tutorials gefallen oder weiterhelfen, freuen wir uns über eine kleine Unterstützung.

Jeder Beitrag zählt – auch das Teilen.