Fragende Menschen und Fair Use

OpenAIs und Microsofts Fair-Use-Verteidigung gerät unter Druck

Andreas Becker GPT-Images-2.0
Fragende Menschen und Fair Use

OpenAI und Microsoft erklären das Training ihrer KI-Modelle mit frei verfügbaren Texten vor Gericht zum Fair Use. Neue Unterlagen aus dem Urheberrechtsprozess der New York Times zeigen jedoch, wie kritisch Mitarbeiter beider Unternehmen die eigenen Methoden und deren Folgen intern beschrieben.

Der Schriftsatz der klagenden Verlage zitiert Microsoft-Forschungsdirektor Brent Hecht mit einer ungewöhnlich deutlichen Einschätzung. Das massenhafte Übernehmen fremder Arbeit könne der »größte Diebstahl von Arbeit in der Geschichte der Menschheit« sein. Ein Erfolg mit der Fair-Use-Verteidigung würde den Gedanken des Fair Use geradezu »vollständig verhöhnen«.

Vor Gericht klingt OpenAI ganz anders

Für Fair Use zählt unter anderem, ob eine neue Nutzung das Original ersetzt und dessen Markt schädigt. Genau an diesem Punkt treffen die internen Aussagen die Verteidigung. OpenAIs ChatGPT-Chef Nick Turley schrieb, die Produkte seien »weitgehend ersetzend« und würden dies mit zunehmender Qualität immer stärker.

In seinem eigenen Antrag argumentiert OpenAI dagegen, das Training sei stark transformativ. Die Modelle extrahierten allgemeine Sprachmuster und Fakten, statt Artikel für Leser zu kopieren. OpenAI bestreitet zudem einen nachweisbaren Schaden für den Markt und verweist auf seltene wörtliche Wiedergaben.

Microsoft vertritt eine ähnliche Position. Der Konzern erklärte, Hechts Texte spiegelten nur die persönliche Sicht eines Forschers wider. Sie seien keine juristische Analyse und stünden nicht für Microsofts Position.

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Der befürchtete »Doom Loop«

Andere interne Aussagen verschärfen den Widerspruch. Turley nannte KI eine »existenzielle Bedrohung« für Verlage. Ein Microsoft-Dokument warnte vor einem »Doom Loop«, in dem Chatbots den Quellen den Traffic und damit ihre wirtschaftliche Grundlage nehmen. Ohne neue Inhalte würden am Ende auch die KI-Modelle schlechter.

Die Unterlagen entscheiden den Rechtsstreit nicht. Sie zeigen aber, dass zentrale Risiken der Fair-Use-Verteidigung intern längst erkannt und in erstaunlich klaren Worten beschrieben wurden.

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