Ein LKW vor einem Lidl

Lidl schickt fahrerlosen Lkw los

Andreas Becker Einride
Ein LKW vor einem Lidl

Ein Lkw ohne Führerhaus beliefert jetzt eine Lidl-Filiale über öffentliche Straßen. Der Einsatz in Edermünde bei Kassel hat eine Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes. Seine Grenzen sind allerdings eng gezogen: Die Strecke misst rund 400 Meter, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 km/h.

Warum der Lkw so langsam fährt

Die 25 km/h gelten für diesen Pilotbetrieb. Wie schnell genau das Fahrzeug in den veröffentlichten Videos fährt, lässt sich daraus nicht ablesen. Ebenso wenig belegt das Tempolimit, dass der Lkw technisch nicht schneller könnte. Einride nennt für das bei Lidl eingesetzte Exemplar keine gesonderte Höchstgeschwindigkeit.

Der elektrische Sololastwagen fasst 15 Europaletten. Bis zu dreimal täglich soll er Trockensortiment vom Verteilzentrum zur Filiale bringen. Lidl rechnet in der viermonatigen ersten Phase mit mehr als 3.000 transportierten Paletten.

Im Fahrzeug sitzt niemand. Ein Mitarbeiter begleitet es aber in einem separaten Auto und übernimmt zunächst auch das Be- und Entladen. Die Einstufung als SAE-Level 4 bedeutet, dass der Lkw innerhalb seines festgelegten Einsatzbereichs selbst fährt. Sie sagt nichts über eine freie Fahrt durch beliebige Straßen aus.

Einride fährt nicht erst seit gestern autonom

Neu ist vor allem die Genehmigung für diesen deutschen Lieferbetrieb. Einride setzte einen führerhauslosen Elektro-Lkw bereits 2019 auf einem kurzen öffentlichen Straßenabschnitt in Schweden ein. In Tennessee folgte 2022 ein zweiwöchiger Versuch mit GE Appliances. Seit 2023 meldet Einride dort regelmäßige Transporte zwischen Fabrik und Lager, mit bis zu sieben Fahrten pro Tag an vier Wochentagen.

Die Firma arbeitet also seit Jahren an solchen Einsätzen. Aus den kurzen, festgelegten Routen lässt sich aber noch kein autonomer Fernverkehr ableiten. Für Lidl ist ab 2027 eine zweite Phase mit mehreren Haltepunkten geplant.

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Einride wächst und schreibt Verluste

Einride ist seit Juni 2026 an der Nasdaq notiert. Für das erste Halbjahr meldete die Firma 273 Millionen schwedische Kronen (24 Millionen €) währungsbereinigten Umsatz und einen Nettoverlust von 1,12 Milliarden Kronen (99 Millionen €). Der Verlust enthält hohe Sonderposten rund um den Börsengang. Nach eigenen Angaben liefen bis Ende Juni sechs autonome Kundeneinsätze mit zusammen mehr als 5.400 fahrerlosen Betriebsstunden.

Einride nennt zugleich eine Gesamtflotte von rund 250 Elektro-Lkw. Der Lidl-Versuch zeigt, wie weit das Unternehmen bei der Autonomie im Alltag ist. Es bewegt reale Ware auf öffentlicher Straße, allerdings weiterhin auf einer sehr kurzen und begleiteten Route.

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