Microsoft wettet 500 Millionen gegen OpenAI
Warum dein Copilot im Hintergrund jetzt plötzlich auf die Technologie des Erzrivalen setzt.

Die Ehe zwischen Microsoft und OpenAI bröckelt – zumindest finanziell. Redmond überweist jährlich eine halbe Milliarde Dollar an den direkten Konkurrenten Anthropic, um seine Copilot-Produkte konkurrenzfähig zu halten. Für Nutzer bedeutet das: Die beste KI im Office-Paket kommt nicht mehr zwangsläufig von ChatGPT-Machern.
Microsoft zahlt derzeit rund 500 Millionen US-Dollar pro Jahr an das KI-Startup Anthropic. Diese Nachricht sorgte heute an der Börse für Unruhe und drückte die Microsoft-Aktie leicht ins Minus. Der Grund für die Aufregung ist brisant: Microsoft ist eigentlich der wichtigste Geldgeber von OpenAI und hat über 13 Milliarden Dollar in die ChatGPT-Schöpfer investiert. Dass der Software-Gigant nun solche Summen an den direkten Rivalen überweist, wirkt auf den ersten Blick wie ein Misstrauensvotum gegen die eigenen Partner. Doch die Strategie dahinter ist pragmatisch: Es geht um die Vorherrschaft auf dem Desktop.
Wenn der Partner nicht liefert: Claude übernimmt Excel
Die halbe Milliarde fließt nicht als klassisches Investment, sondern primär als Bezahlung für die Nutzung der KI-Modelle von Anthropic in Microsoft-Produkten. Seit dem 7. Januar 2026 sind die Modelle der "Claude"-Reihe in vielen kommerziellen Microsoft-365-Umgebungen standardmäßig aktiviert. Der Grund ist technischer Natur: In bestimmten Disziplinen schlägt Anthropic die Konkurrenz von OpenAI deutlich.
Besonders im "Agent Mode" von Excel zeigt sich die Überlegenheit. Berichten zufolge leistet Claude hier bis zu 15 Prozent bessere Arbeit als ChatGPT, wenn es um komplexe Finanzmodelle oder das Aufspüren von Fehlern in Tabellenkalkulationen geht. Auch bei der Erstellung von PowerPoint-Präsentationen setzen Microsoft-Ingenieure intern inzwischen bevorzugt auf die Technologie von Anthropic, da diese visuell ansprechendere Ergebnisse liefert. Für den Endanwender heißt das: Copilot nutzt im Hintergrund einfach das Modell, das den Job am besten erledigt – egal, ob es von OpenAI oder Anthropic stammt.
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Eine offene Beziehung statt Exklusivität
Diese Entwicklung markiert das endgültige Ende der Exklusivität zwischen Microsoft und OpenAI. Während Microsoft zwar weiterhin als "bevorzugter Partner" für OpenAIs Spitzenmodelle gilt, diversifiziert der Konzern sein Risiko. Satya Nadella setzt auf einen "Best-of-Breed"-Ansatz. Man kauft sich die Leistung dort ein, wo sie am besten ist.
Gleichzeitig emanzipiert sich auch Anthropic. Zwar nutzt das Unternehmen für das Training seiner Modelle inzwischen massiv die Azure-Cloud von Microsoft und hat sich verpflichtet, Rechenkapazitäten im Wert von 30 Milliarden Dollar abzunehmen, doch die technologische Unabhängigkeit bleibt gewahrt. Für Microsoft ist die Rechnung simpel: Die 500 Millionen Dollar jährlich sind "Spielgeld" im Vergleich zum Risiko, dass der eigene Copilot aufgrund schwächerer KI-Leistung Marktanteile verliert. Wenn Claude den besseren Code schreibt oder die besseren Mails formuliert, dann wird Claude bezahlt – OpenAI-Partnerschaft hin oder her.