Zwei Personen bei einer Hochzeit mit ChatGPT

Ehe annulliert: Gericht straft Beamten für ChatGPT-Nutzung ab

Ein Fehler mit drastischen Folgen: Warum eine KI-generierte Rede die Rechtskraft einer gesamten Hochzeit zerstörte.

Andreas Becker Nano Banana
Zwei Personen bei einer Hochzeit mit ChatGPT

Ein Gericht in den Niederlanden hat heute eine Eheschließung für ungültig erklärt, weil der Standesbeamte die offizielle Zeremonie maßgeblich von ChatGPT gestalten ließ. Dieser drastische Schritt markiert eine neue juristische Grenze: Wenn künstliche Intelligenz die hoheitliche Würde eines Verwaltungsaktes übernimmt, verliert das Ja-Wort seine Rechtskraft.

Der automatisierte Bund fürs Leben

In der niederländischen Hansestadt Zwolle sollte es eine moderne, lockere Trauung werden. Der zuständige Standesbeamte griff für die Gestaltung der Rede auf das Sprachmodell von OpenAI zurück. Anstatt einer persönlich ausgearbeiteten Ansprache generierte der Chatbot einen Text, der die Zeremonie auflockern sollte. Was als zeitgemäße Hilfestellung gedacht war, endete nun vor der Rechtbank Overijssel.

Das Gericht sah in dem Vorgang mehr als nur eine stilistische Verfehlung. Der Einsatz der KI veränderte den Charakter der Amtshandlung derart, dass die gesetzlichen Anforderungen an eine Eheschließung nicht mehr erfüllt waren. Die Richter urteilten, dass die persönliche Integrität und die individuelle Prüfung durch den Beamten – in den Niederlanden oft als "Babs" bezeichnet – essenziell für die Gültigkeit sind.

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Wenn die KI halluziniert

Die Urteilsbegründung liest sich wie eine Warnung an die digitalisierte Verwaltung. Der Richter monierte, dass der Beamte die Kontrolle über den Inhalt an einen Algorithmus abgegeben habe. ChatGPT ist bekannt für sogenannte Halluzinationen – das erzeugte Erfinden von Fakten, die plausibel klingen, aber keinen Realitätsbezug haben.

Im konkreten Fall führte die KI-generierte Rede dazu, dass die Ernsthaftigkeit der Willenserklärungen infrage stand. Der Beamte hatte die Texte offenbar ungeprüft oder nur oberflächlich redigiert übernommen. Damit verkam der Hoheitsakt zu einer Performance, der die rechtliche Substanz fehlte. Das Gericht stellte klar: Ein Verwaltungsakt erfordert menschliche Zurechnungsfähigkeit, die eine Software nicht simulieren kann.

Bitteres Nachspiel für das Brautpaar

Für das betroffene Paar hat das Urteil harte Konsequenzen. Ihr Status im Melderegister wurde rückwirkend korrigiert, sie gelten rechtlich als nie verheiratet. Die emotionale Zeremonie ist damit juristisch null und nichtig. Sie müssen den bürokratischen Prozess nun vollständig neu durchlaufen, diesmal unter strenger Einhaltung der menschlichen Formvorschriften.

Der Fall in Zwolle dürfte europaweit Signalwirkung haben. Er zeigt die Grenzen der KI-Integration in staatliche Prozesse auf. Während Effizienzsteigerung in der Verwaltung erwünscht ist, bleibt der Kernbereich hoheitlicher Entscheidungen – und dazu zählt die Beurkundung des Personenstandes – vorerst exklusives Terrain menschlicher Beamter.

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