Ein Prüfling vor KI-Professoren

NYU-Professor ersetzt schriftliche Tests durch KI-gestützte mündliche Prüfungen

Ein Sprach-Agent übernimmt die Abfrage und Analyse, um manipulative Texte von Sprachmodellen endgültig zu stoppen.

Andreas Becker Nano Banana
Ein Prüfling vor KI-Professoren

Panos Ipeirotis von der NYU Stern School of Business ersetzt schriftliche Arbeiten durch automatisierte Voice-Interviews. Diese Maßnahme stellt sicher, dass Studierende den Lernstoff tatsächlich beherrschen, statt lediglich KI-generierte Hausarbeiten einzureichen.

Das Ende der perfekten Hausarbeit

Der Professor für Datenwissenschaft bemerkte eine besorgniserregende Entwicklung bei den Abgaben seiner Kurse. Die Texte der Studierenden wirkten zunehmend wie glattgebügelte Unternehmensberater-Memos, die zwar sprachlich perfekt, inhaltlich aber oft oberflächlich waren. Ipeirotis erkannte, dass herkömmliche schriftliche Prüfungen im Zeitalter von Sprachmodellen keine verlässliche Aussagekraft mehr über das tatsächliche Wissen besitzen.

Frühere Versuche, künstlich erzeugte Texte mit spezieller Software zu entlarven, erwiesen sich als unzureichend. Die Fehlerquote war zu hoch und sorgte für unnötige Spannungen zwischen Lehrpersonal und Lernenden. Um die akademische Integrität zu wahren, entschied sich der Professor für einen radikalen Systemwechsel zurück zur mündlichen Abfrage.

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Skalierbare Abfrage durch Sprachagenten

Da klassische mündliche Prüfungen bei großen Kursen zu zeitaufwendig sind, setzt Ipeirotis auf technische Unterstützung. Er entwickelte einen Voice AI Agent (einen Sprachassistenten auf Basis künstlicher Intelligenz), der über die Plattform ElevenLabs läuft. Dieser Agent führt mit jedem Teilnehmer ein etwa zehn- bis 25-minütiges Fachgespräch und stellt gezielte Verständnisfragen.

  • Technik: ElevenLabs Conversational AI und GPT-4o.
  • Bewertung: Ein Gremium aus den Modellen Claude, Gemini und ChatGPT analysiert die Transkripte.
  • Kosten: Etwa 42 Cent pro Student statt kalkulierter 750 Dollar für menschliche Prüfer.
  • Verfügbarkeit: Studierende können den Termin und Ort für das Gespräch frei wählen.

Stressfaktor gegen Effizienzgewinn

Die Umstellung stieß bei der Studierendenschaft auf gemischte Gefühle. Laut einer Umfrage empfanden 83 Prozent der Teilnehmer das Gespräch mit der Maschine als stressiger als eine schriftliche Prüfung. Dennoch stimmten 70 Prozent zu, dass diese Methode ihr wirkliches Verständnis der Materie deutlich besser prüft als die alten Formate.

Ein interessantes Detail am Rande war die akustische Gestaltung des Agenten. In der Testphase klonte der Professor die Stimme eines Kollegen, was jedoch bei den Studierenden auf Ablehnung stieß. Die KI wirkte in diesem Fall herablassend und aggressiv, weshalb Ipeirotis die Tonalität für den echten Einsatz anpassen musste.

Diagnose der eigenen Lehre

Neben der reinen Notenvergabe lieferten die KI-Gespräche wertvolle Erkenntnisse für den Dozenten selbst. Das System identifizierte systematisch Wissenslücken, die bei vielen Studierenden gleichzeitig auftraten. Ipeirotis nutzt diese Daten nun, um seinen eigenen Lehrplan zu optimieren und Schwachstellen in der Stoffvermittlung gezielt anzugehen.

Das Experiment an der NYU markiert einen Wendepunkt in der Bildungslandschaft des Jahres 2026. Es zeigt, dass der Einsatz von KI in der Lehre nicht nur zum Schummeln führt, sondern auch die Lösung für genau dieses Problem sein kann. Die Renaissance der mündlichen Prüfung scheint durch die Automatisierung endlich massentauglich geworden zu sein.

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