Dein Profilbild verrät dein zukünftiges Gehalt
Eine aktuelle NBER-Studie belegt, wie KI subtile Gesichtszüge auswertet, um berufliche Aufstiege und Karrierewege präzise vorherzusagen.

Eine aktuelle Studie des National Bureau of Economic Research belegt, dass KI-Modelle aus einfachen Profilfotos detaillierte Persönlichkeitsmerkmale ableiten und damit Karriereverläufe prognostizieren können. Die Forscher demonstrieren, wie Algorithmen visuelle Daten in messbare Indikatoren für den Arbeitsmarkt übersetzen.
Gesichtsanalyse für den Arbeitsmarkt
Wissenschaftler haben Algorithmen mit tausenden Porträts der Plattform LinkedIn trainiert, um sogenannte Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale zu extrahieren. Die Software analysiert dabei subtile biometrische Merkmale, Gesichtsausdrücke sowie die generelle Bildkomposition. Das System quantifiziert Eigenschaften wie Extraversion, Gewissenhaftigkeit oder Offenheit direkt aus den Bilddaten.
Laut der NBER-Publikation erreichen die Modelle bei der Zuordnung dieser Merkmale eine hohe statistische Signifikanz. Diese extrahierten Datenpunkte dienen anschließend als Grundlage, um Wahrscheinlichkeiten für zukünftige berufliche Stationen zu berechnen. Die KI verlässt sich dabei ausschließlich auf die visuellen Informationen, klassische Lebenslaufdaten fließen in diesen primären Schritt der Analyse nicht ein.
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Korrelation zwischen Pixeln und Gehalt
Das Kernergebnis der Studie verknüpft die maschinell erfassten Fotodaten mit realen Arbeitsmarktergebnissen. Profile, deren Bilder laut dem Modell eine hohe Durchsetzungsfähigkeit oder emotionale Stabilität signalisieren, korrelieren messbar mit schnelleren Beförderungen und höheren Einstiegsgehältern. Die Software konnte historische Gehaltsentwicklungen und das Erreichen von Führungspositionen bei den untersuchten Personen präzise nachvollziehen.
Die technische Umsetzung verdeutlicht die Leistungsfähigkeit aktueller Bildverarbeitungsmodelle im Personalwesen. Systeme dieser Art benötigen nur wenige Millisekunden, um ein Foto auszuwerten und eine statistische Prognose über die Eignung für Managementaufgaben zu erstellen.
Risiken der automatisierten Filterung
Die bewiesene technische Machbarkeit wirft kritische Fragen bezüglich der Automatisierung von Personalprozessen auf. Integrieren Unternehmen derartige Modelle unbemerkt in ihr Bewerbermanagement, könnten visuelle Eindrücke die Vorauswahl von Kandidaten stark steuern. Die Objektivität solcher Systeme steht zur Debatte, da Trainingsdaten oft historische Ungleichheiten abbilden.
In der Praxis muss sich zeigen, ob die Algorithmen tatsächliche Persönlichkeitsmerkmale erkennen oder lediglich bestehende gesellschaftliche Stereotypen reproduzieren. Forscher warnen vor automatisierten Prozessen, bei denen maschinelle Entscheidungen über Einstellungen nicht mehr transparent nachvollziehbar sind.