Vor dem Brandenburger Tor wird ein Strafzettel ausgeteilt

KI-Blitzer kommen: Das plant der DVR für Autofahrer in Deutschland

Schluss mit Ablenkung: Neue Hightech-Monocams sollen Handysünder auf der Autobahn automatisch erkennen, überführen und für mehr Sicherheit sorgen.

Andreas Becker Nano Banana
Vor dem Brandenburger Tor wird ein Strafzettel ausgeteilt

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) drängt anlässlich des Verkehrsgerichtstags auf den sofortigen Einsatz von KI-Kameras zur Erkennung von Smartphone-Verstößen. Angesichts stagnierender Unfallzahlen durch Ablenkung sei die herkömmliche Polizeikontrolle gescheitert und eine automatisierte Lösung unausweichlich.

Automatisierte Überwachung als Notwendigkeit

Die Geduld der Verkehrssicherheits-Experten ist am Ende. Manfred Wirsch, Präsident des DVR, machte im Vorfeld des Verkehrsgerichtstags in Goslar deutlich, dass Appelle an die Vernunft der Autofahrer wirkungslos bleiben. Ablenkung, insbesondere durch das Smartphone ("Distraction"), ist mittlerweile eine der häufigsten Ursachen für schwere Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen.

Die Lösung sieht der Rat in der Einführung intelligenter Kamerasysteme, sogenannter Monocams. Diese Geräte werden meist auf Autobahnbrücken installiert und filmen schräg von oben in das Fahrzeugcockpit. Eine künstliche Intelligenz analysiert die Bilder in Echtzeit auf typische Haltungsmuster, die auf eine Handynutzung hindeuten. Erkennt der Algorithmus keinen Verstoß, wird das Bild sofort gelöscht. Nur bei einem positiven Befund speichert das System die Aufnahme, welche anschließend von geschultem Personal manuell validiert wird.

Anzeige

Fehlende Rechtsgrundlage bremst Technik aus

Technisch ist die Überwachung längst möglich, wie Pilotprojekte in Rheinland-Pfalz bewiesen haben. In den Regionen Trier und Mainz testete die Polizei die Systeme bereits erfolgreich, musste den Regelbetrieb jedoch aufgrund rechtlicher Bedenken einschränken. Datenschützer und Juristen kritisierten, dass die bestehenden Gesetze keine dauerhafte, anlasslose Erfassung aller vorbeifahrenden Fahrzeuge erlauben.

Der DVR fordert nun vom Bundesverkehrsministerium, diese Lücke zügig zu schließen. Es sei nicht hinnehmbar, dass lebensrettende Technologie aus bürokratischen Gründen in den Lagern verstaube. Die Vision Zero – das Ziel von null Verkehrstoten – lasse sich ohne moderne Überwachungsinstrumente nicht realisieren.

Blick nach Europa: Griechenland macht es vor

Während in Deutschland noch über Datenschutz diskutiert wird, schaffen andere europäische Länder Fakten. Ein Blick nach Griechenland zeigt, wie die Zukunft der Verkehrsüberwachung aussehen kann. In Athen und neuerdings auch auf Kreta wird derzeit eines der modernsten KI-Überwachungsnetze Europas installiert.

Die dortigen Behörden setzen auf ein umfassendes System, das nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Gurtpflicht und Handynutzung vollautomatisch kontrolliert. Die griechische Regierung reagiert damit auf die extrem hohe Unfallrate des Landes. Für deutsche Experten ist dies ein klares Signal: Die Technologie ist marktreif und im europäischen Ausland bereits akzeptierter Standard.

Mehr dazu unter: KI in Athen

Radfahrer ebenfalls im Fokus der Debatte

Die Forderungen des DVR beschränken sich jedoch nicht nur auf den motorisierten Individualverkehr. Auch für Radfahrer sollen die Zügel angezogen werden. Im Gespräch ist eine deutliche Verschärfung der Promillegrenzen.

Bislang drohen Radfahrern erst ab 1,6 Promille strafrechtliche Konsequenzen, sofern sie keine Ausfallerscheinungen zeigen. Experten fordern hier eine Absenkung oder eine Angleichung an die strikteren Regeln für Kraftfahrzeugführer, um die Sicherheit im immer dichter werdenden Stadtverkehr zu gewährleisten.

KI-Wissen ohne Paywall

Unsere Inhalte sind und bleiben kostenlos. Wenn dir unsere News und Tutorials gefallen oder weiterhelfen, freuen wir uns über eine kleine Unterstützung.

Jeder Beitrag zählt – auch das Teilen.