Der ChatGPT-Moment für Robotik
Roboter lernen durch das 1x World Model jetzt selbständig und verstehen die Welt.

Der norwegisch-amerikanische Robotik-Spezialist 1X Technologies hat mit der Veröffentlichung seines neuen "World Model" einen entscheidenden Schritt in Richtung autonomer Humanoide gemacht. Die Software ermöglicht es dem Roboter Neo, Konsequenzen eigener Handlungen visuell vorherzusagen und Aufgaben weitgehend ohne menschliches Vorführen zu erlernen. Dies könnte das bisher größte Nadelöhr der Robotik beseitigen.
Das Ende der Fernsteuerung
Bislang lernten humanoide Roboter meist nach dem Prinzip "Monkey see, monkey do". Ein Mensch im Motion-Capture-Anzug musste jede Bewegung vormachen – tausendfach. Dieses sogenannte Imitation Learning ist extrem zeitaufwendig und skaliert schlecht. 1X bricht nun mit diesem Paradigma. Das neue World Model erlaubt es dem Roboter, aus riesigen Mengen an Internet-Videos physikalische Zusammenhänge zu extrahieren. Anstatt stur Bewegungen zu kopieren, entwickelt die KI ein Verständnis dafür, wie die Welt funktioniert. Bernt Børnich, CEO von 1X, beschreibt dies als Wendepunkt: Neo kann nun Wissen aus Videos direkt in physische Aktionen in der realen Welt übersetzen.
Wie die "Imagination" funktioniert
Technisch gesehen handelt es sich bei dem World Model um einen Videogenerator, ähnlich wie OpenAIs Sora, jedoch speziell für Robotik trainiert. Wenn Neo eine Aufgabe erhält – etwa "Räum die Tasse weg" – generiert das Modell zunächst ein Video davon, wie die erfolgreiche Handlung aussehen würde. Es "halluziniert" quasi die Zukunft.
Ein zweites System, das sogenannte Inverse Dynamics Model, übersetzt diese visuelle Vorstellung dann in konkrete Steuerbefehle für die Motoren. Der Roboter plant also nicht mehr in abstraktem Code, sondern in Bildern. Stimmt die Vorhersage mit der Realität überein, führt Neo die Bewegung aus. Das System dient als interner Simulator, in dem der Roboter Millionen von Fehlversuchen durchlaufen kann, ohne in der echten Welt Geschirr zu zerbrechen.
Quelle: 1x
Sicherheit und der Weg zum Konsumenten
Diese Technologie ist der Kern für den geplanten Marktstart des Roboters im Jahr 2026. Da Neo für den Einsatz in häuslichen Umgebungen konzipiert ist, setzt 1X auf "Soft Robotics" – eine Bauweise, die menschlicher Anatomie mit Muskeln und Sehnen nachempfunden ist, statt auf harte Hydraulik zu setzen. In Kombination mit dem World Model soll dies garantieren, dass der Roboter auch in unvorhergesehenen Situationen sicher agiert.
Sollte das Modell keine sichere Vorhersage treffen können, greift das System auf eine konservative Strategie zurück oder fordert menschliche Hilfe an. Dennoch: Der Schritt vom reinen Ausführen zum "Verstehen" und Vorhersagen markiert den Übergang von dummen Maschinen zu echten intelligenten Agenten.
