Khaby Lame schaut sich seinen digitallen Zwilling an

Khaby Lame ersetzt sich für 900M Dollar durch künstliche Intelligenz

Der TikTok-Star automatisiert sich selbst: Ein KI-Zwilling übernimmt künftig die globale Content-Produktion und Vermarktung.

Andreas Becker Youtube GPT-1.5
Khaby Lame schaut sich seinen digitallen Zwilling an

Der Creator-Economy steht ein historischer Wandel bevor. Der weltweit erfolgreichste TikToker Khaby Lame verkauft die kommerziellen Rechte an seiner Marke inklusive eines KI-Zwillings für bis zu 975 Millionen US-Dollar an Rich Sparkle Holdings.

Die Dimensionen dieses Exits sprengen bisherige Grenzen des Influencer-Marketings. Khaby Lame, bekannt geworden durch seine wortlose Komik und die „Khaby-Geste“, wandelt seinen viralen Ruhm in ein institutionalisiertes Medien-Imperium um. Die Nasdaq-notierte Firma Rich Sparkle Holdings übernimmt dabei die Kontrolle über die „Core Company“ des Senegalesen. Der Deal umfasst nicht nur die klassischen Bildrechte, sondern markiert den Startschuss für die industrielle Verwertung digitaler Persönlichkeiten mittels künstlicher Intelligenz.

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Das Ende der One-Man-Show

Lange Zeit galt die physische Präsenz eines Creators als Flaschenhals der Skalierung. Ein Mensch kann nur an einem Ort gleichzeitig sein, nur eine begrenzte Anzahl an Werbepartnerschaften eingehen und muss schlafen. Der Deal zwischen Lame und der 56 Milliarden Dollar schweren Holding hebelt diese Limitierung aus.

Rich Sparkle Holdings erwirbt die Rechte, die Figur „Khaby Lame“ unabhängig von der biologischen Person zu nutzen. Im Zentrum der Vereinbarung steht ein hochauflösender, KI-generierter Zwilling. Dieser digitale Klon basiert auf biometrischen Daten und der umfangreichen Content-Bibliothek des Stars. Die Technologie erlaubt es dem neuen Eigentümer, die Figur in beliebigen Kontexten auftreten zu lassen – global, simultan und ohne Sprachbarrieren.

Die Transaktionssumme, die je nach Erfüllung bestimmter Performance-Ziele zwischen 900 und 975 Millionen Dollar liegt, bewertet damit primär das Potenzial dieser Automatisierung. Es wird nicht mehr in die Arbeitskraft eines Menschen investiert, sondern in ein skalierbares IP (Geistiges Eigentum), das wie eine Disney-Figur oder ein Software-Produkt funktioniert.

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Skalierung durch den digitalen Zwilling

Der technische Aspekt dieses Verkaufs ist für die Tech-Branche das eigentlich relevante Signal. Die KI-Version von Lame löst das Problem der „Authentizitätsskalierung“. Bisherige virtuelle Influencer wie Lil Miquela waren reine Kunstfiguren. Bei Lame wird eine real existierende Vertrauensbasis auf eine synthetische Entität übertragen.

Die Vorteile für den neuen Rechteinhaber liegen auf der Hand:

  • Multilokale Präsenz: Der KI-Lame kann zeitgleich in Werbespots in Tokio, Berlin und New York auftreten, jeweils kulturell leicht angepasst.
  • Risikominimierung: Die Figur ist kontrollierbar. Menschliche Fehltritte oder Skandale, die den Markenwert beschädigen könnten, entfallen bei der rein virtuellen Nutzung weitestgehend, solange die Trennung zwischen Mensch und Marke sauber kommuniziert wird.
  • Produktionsgeschwindigkeit: Content muss nicht mehr aufwendig gedreht werden. Generative Video-KI erstellt Clips in Echtzeit, um auf aktuelle Trends zu reagieren.

Für Marketing-Entscheider bedeutet dies, dass Testimonials künftig wie Software-Lizenzen gebucht werden könnten. Die Interaktion erfolgt nicht mehr mit dem Management des Künstlers für einen Drehtag, sondern über eine API-Schnittstelle zur Generierung des Assets.

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Paradigmenwechsel in der Creator Economy

Dieser Deal verschiebt die Wahrnehmung dessen, was einen „Creator“ ausmacht. Authentizität war im letzten Jahrzehnt die härteste Währung in sozialen Netzwerken. Nutzer folgten Menschen, weil sie „echt“ wirkten. Der Verkauf der Identität an einen Konzern testet nun die Belastbarkeit dieser Beziehung.

Die Akzeptanz virtueller Charaktere ist bereits höher als oft angenommen. Daten von virtuellen Influencern zeigen, dass die Engagement-Raten oft nicht unter der künstlichen Natur der Protagonisten leiden. Wenn der Content unterhält oder einen Nutzen stiftet, tritt die Frage nach dem biologischen Ursprung in den Hintergrund. Khaby Lames Humor funktioniert universell und ohne Sprache. Das macht ihn zum perfekten Testballon für dieses Modell.

Sollte Rich Sparkle Holdings mit der KI-Verwertung Erfolg haben, dürfte dies eine Welle ähnlicher Akquisitionen auslösen. Top-Creator werden sich in Zukunft entscheiden müssen: Wollen sie weiterhin selbst vor der Kamera stehen oder ihre digitale Haut zu Markte tragen und die Content-Erstellung Algorithmen überlassen? Khaby Lame hat seine Wahl getroffen. Er liefert die Glaubwürdigkeit, die Maschine liefert die Masse.

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