Wie KI eine 133 Jahre alte Uni-Tradition bricht
Eine Eliteuniversität muss ihr gesamtes Prüfungssystem umbauen. Erschreckende Umfragewerte unter Studenten führten zu dieser drastischen Entscheidung.

Die Princeton University beendet nach 133 Jahren ihre Tradition der unbeaufsichtigten Präsenzklausuren. Ab dem 1. Juli überwachen Professoren die Prüfungen wieder, weil generative KI auf mobilen Endgeräten unbemerktes Täuschen extrem erleichtert.
Hohe Betrugsraten unter Studenten
Aktuelle Daten aus Princeton verdeutlichen das Ausmaß des Problems. Einer Umfrage aus dem Jahr 2025 zufolge gaben 29,9 Prozent der angehenden Absolventen zu, bei mindestens einer Klausur oder Aufgabe betrogen zu haben.
Besonders stark ausgeprägt ist dieses Verhalten in den Naturwissenschaften. Bei den angehenden Ingenieuren greifen 40,8 Prozent auf unerlaubte Hilfe zurück. Im Vergleich dazu nutzen lediglich 26,4 Prozent der Bachelor-Studenten aus den Geisteswissenschaften heimliche Unterstützung.
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Das Scheitern des alten Ehrenkodex
Über ein Jahrhundert lang verließ sich die Universität auf ein rein studentisches Kontrollsystem. Bei diesem Prinzip mussten Teilnehmer eine Ehrenerklärung unterschreiben und gleichzeitig Verstöße ihrer Kommilitonen selbstständig melden.
Kleine Smartphones und leistungsstarke KI-Modelle hebeln diese Praxis nun systematisch aus. Das Generieren von Antworten auf einem Bildschirm unter dem Tisch fällt im Hörsaal kaum noch auf. Entsprechend schwer lässt sich ein solcher Betrug durch Sitznachbarn überhaupt verifizieren.
Zusätzlich blockiert die Furcht vor sozialen Konsequenzen das alte System. Rund 44,6 Prozent der Studenten beobachteten zwar Täuschungsversuche, meldeten diese jedoch nicht. Zu groß ist offensichtlich die Sorge vor digitaler Bloßstellung und Ausgrenzung auf Plattformen abseits des Campus.
Neue Beobachterrolle für Professoren
Fast einstimmig reagierte die Fakultät auf diese Entwicklung. Mit lediglich einer Gegenstimme beschlossen die Verantwortlichen die Rückkehr zur klassischen Prüfungsaufsicht durch das Lehrpersonal.
Ein aktives Eingreifen während der Klausur ist dabei nicht vorgesehen. Dozenten agieren vielmehr als aufmerksame Zeugen im Raum. Sie fertigen bei verdächtigem Verhalten detaillierte Notizen an, welche später dem universitären Ehrengericht als belastbare Beweisgrundlage dienen.