Neu: Anthropic Cowork räumt deinen Desktop auf!
Wie Anthropic aus dem Chatbot einen echten Mitarbeiter macht, der selbstständig Aufgaben abarbeitet.

Anthropic veröffentlicht heute mit "Cowork" eine neue Desktop-Anwendung, die die agentischen Fähigkeiten von Claude Code für allgemeine Büroaufgaben öffnet. Das Tool agiert als autonomer Assistent auf macOS, ordnet Dateien oder erstellt Abrechnungen, verlangt vom Nutzer durch weitreichende Zugriffsrechte jedoch erhöhte Vorsicht.
Vom Code-Editor zum digitalen Sachbearbeiter
Ursprünglich konzipierte Anthropic "Claude Code" als spezialisiertes Werkzeug für Softwareentwickler, um Programmieraufgaben direkt im Terminal zu lösen. Die Nutzerbasis verwendete die Software jedoch zunehmend zweckentfremdet für administrative Tätigkeiten, was das Unternehmen nun zur Entwicklung von Cowork veranlasste. Das neue Tool basiert auf demselben technischen Fundament, dem Claude Agent SDK, entfernt aber die technische Hürde der Kommandozeile.
Cowork steht ab sofort als "Research Preview" zur Verfügung und richtet sich primär an Abonnenten des Claude Max Tarifs. Die Anwendung integriert sich direkt in die Claude Desktop App für macOS. Eine Unterstützung für Windows sowie eine geräteübergreifende Synchronisation stellte das Unternehmen für spätere Updates in Aussicht.
Autonomie im Dateisystem
Anders als bei herkömmlichen Chatbots erhält Cowork direkten Zugriff auf lokaler Ebene. Der Nutzer weist dem Assistenten spezifische Ordner zu, in denen die KI Dateien lesen, bearbeiten oder neu erstellen darf. Dies ermöglicht komplexe Arbeitsabläufe, die über reine Textgenerierung hinausgehen. Der Agent plant dabei selbstständig die nötigen Zwischenschritte, um ein Ziel zu erreichen, ohne dass der Nutzer jeden Handgriff bestätigen muss.
Praktische Anwendungsfälle umfassen das automatische Sortieren und Umbenennen von Downloads oder das Erstellen von Spesenabrechnungen aus einem Ordner voller Beleg-Fotos. Auch das Zusammenführen verstreuter Notizen zu einem ersten Berichtsentwurf gehört zum Funktionsumfang. Durch die Integration von "Connectors" kann die KI zudem externe Informationen einbeziehen. In Verbindung mit Chrome lassen sich Aufgaben erledigen, die einen Browserzugriff erfordern.
Ein wesentlicher Unterschied zur klassischen Chat-Interaktion liegt in der Parallelisierung. Nutzer müssen nicht auf die Fertigstellung einer Aufgabe warten, sondern können Aufträge in eine Warteschlange stellen. Das Arbeitsgefühl soll laut Anthropic weniger einem Chat, sondern eher dem Hinterlassen von Nachrichten für einen Kollegen gleichen.
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Sicherheitsrisiken durch Agenten-Status
Mit der gesteigerten Autonomie steigen die Risiken für die Datensicherheit. Da Cowork Schreib- und Löschrechte besitzt, warnt Anthropic explizit vor potenziell destruktiven Aktionen. Zwar fragt das System bei signifikanten Eingriffen nach Erlaubnis, eine Fehlinterpretation vager Anweisungen kann jedoch theoretisch zum Verlust lokaler Dateien führen.
Ein weiteres technisches Risiko stellt die sogenannte "Prompt Injection" dar. Hierbei könnten Angreifer versuchen, den KI-Agenten durch manipulierte Inhalte aus dem Internet oder in Dokumenten zu ungewollten Handlungen zu bewegen. Anthropic verweist auf implementierte Sicherheitsmechanismen, betont aber, dass die Absicherung solch autonomer Agenten ein aktives Forschungsfeld bleibt. Nutzer sind angehalten, "Cowork" anfangs nur in strikt begrenzten Ordnerstrukturen zu testen.