Geleaktes OpenAI-Memo kritisiert Anthropic scharf.
Vertriebschefin Denise Dresser wirft dem Rivalen intern vor, fehlende Rechenleistung durch elitäre Beschränkungen zu kaschieren.

OpenAI verschärft den Ton im Konkurrenzkampf der KI-Unternehmen spürbar. Laut einem CNBC-Bericht offenbart ein internes Memo der Vertriebschefin Denise Dresser die strategische Neuausrichtung auf Unternehmenskunden sowie harte Kritik am Rivalen Anthropic.
AWS Bedrock statt Microsoft-Fokus
Die bisherige Partnerschaft mit Microsoft brachte OpenAI den Durchbruch, schränkt das Unternehmen im Vertrieb mittlerweile aber ein. Dresser erklärt in dem geleakten Schreiben, dass viele Business-Kunden ihre KI-Lösungen bevorzugt in ihrer bestehenden Amazon-Umgebung betreiben. Die enge Microsoft-Bindung blockierte in der Vergangenheit diesen direkten Zugang.
Seit der Ankündigung der neuen Amazon-Allianz Ende Februar verzeichnet OpenAI eine außergewöhnlich hohe Nachfrage aus der Industrie. AWS Bedrock dient nun als zentraler Zugangspunkt für die verschiedenen OpenAI-Modelle. Diese strategische Öffnung reduziert die Abhängigkeit vom bisherigen Hauptinvestor.
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Scharfe Kritik am Rivalen Anthropic
Das Memo liefert zudem einen ungewöhnlich direkten Angriff auf Anthropic. Der Konkurrent dominiert aktuell mit seinen Claude-Modellen große Teile des Enterprise-Marktes. Dresser wirft dem Rivalen vor, dessen Strategie basiere auf Angst, Restriktion und dem Konzept, »that a small group of elites should control AI«.
Zusätzlich greift die Vertriebschefin die kürzlich verkündete Umsatzrate von Anthropic in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar an. Anthropic nutze bilanzielle Spielräume, um diese Zahl künstlich um rund acht Milliarden US-Dollar aufzublähen, indem Bruttoumsätze mit Partnern eingerechnet werden. OpenAI weise seine eigenen Umsätze hingegen strikt bereinigt aus.
Als weiteren Fehler nennt Dresser die Hardware-Infrastruktur des Konkurrenten. Anthropic habe es schlicht versäumt, sich rechtzeitig ausreichend Rechenkapazitäten zu sichern. Das führt aus Sicht von OpenAI unweigerlich zu Leistungseinbußen im Alltag der Kunden.
Das Enterprise-Geschäft wächst rasant
Der gezielte Fokus auf Firmenkunden bringt OpenAI bereits große finanzielle Erfolge. Die Enterprise-Sparte generiert aktuell 40 Prozent des gesamten Umsatzes. Dresser geht fest davon aus, dass dieser Bereich das normale Endkundengeschäft noch vor Jahresende einholt.
Sowohl OpenAI als auch Anthropic bereiten sich offenbar auf mögliche Börsengänge im laufenden Jahr vor. OpenAI peilt dabei nach der jüngsten Finanzierungsrunde eine Bewertung von 850 Milliarden US-Dollar an. Die kommenden Monate entscheiden nun, welche Plattform sich im hart umkämpften Unternehmensumfeld behauptet.