LEGO KI-Sets 2026: Machine Learning statt Robotik für den Informatikunterricht
Endlich echte KI im Klassenzimmer: Das neue System ermöglicht neuronale Netze ohne Cloud, fordert aber das Budget.

Lego Education läutet mit der Einstellung der Spike-Serie und dem Start neuer KI-Lernpakete einen Systemwechsel ein. Bildungseinrichtungen stehen vor einer teuren, aber technisch notwendigen Modernisierung ihrer Informatik-Ausstattung, um künstliche Intelligenz haptisch begreifbar zu machen.
Hardware für das KI-Zeitalter
Das neue Herzstück des Portfolios nennt sich schlicht "Computer Science & AI". Das Set umfasst 380 Bauteile und zielt spezifisch auf den Informatikunterricht der Sekundarstufen ab, wobei der Fokus deutlich verschoben wurde. Anders als bei Vorgängermodellen liegt der Schwerpunkt nicht mehr primär auf Mechanik, sondern auf der haptischen Erfahrbarkeit von Algorithmen und Datenverarbeitung.
Kern der Neuerung ist ein leistungsstärkerer Hub, der einfache Machine-Learning-Modelle direkt verarbeiten kann, ohne permanent auf eine Cloud-Verbindung angewiesen zu sein. Schüler trainieren neuronale Netze am Rechner und übertragen diese Modelle anschließend auf die physische Hardware. Lego reagiert damit auf die weltweit veränderten Lehrpläne, die das Verständnis von künstlicher Intelligenz zunehmend als Pflichtstoff integrieren.
Quelle: Lego
Das Ende der Spike-Serie
Mit der Vorstellung der neuen Reihe besiegelt der dänische Spielwarenhersteller faktisch das Ende des bisherigen Spike-Systems. Händler und Distributoren listen die Bestseller "Spike Prime" und "Spike Essential" bereits als "End of Life", was Schulen mit bestehenden Inventaren unter massiven Zugzwang setzt. Die Lebensdauer der Spike-Generation fiel im Vergleich zum legendären Mindstorms EV3 damit überraschend kurz aus.
Diese aggressive Produktzyklus-Strategie sorgt für Kritik in der Bildungslandschaft, da Investitionen in Lernmaterialien meist auf viele Jahre ausgelegt sind. Kompatibilitätsprobleme zwischen der alten Spike-Hardware und den neuen KI-Modulen erschweren einen Mischbetrieb in Klassenzimmern erheblich. Der Software-Support für Spike soll zwar übergangsweise fortgeführt werden, neue Features fließen jedoch exklusiv in die neue Plattform.
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Preispolitik und Markteinschätzung
Der Preis für den Einstieg in die neue Lego-KI-Welt liegt laut ersten Listungen bei rund 450 Euro pro Set. Bei einem Inhalt von lediglich 380 Teilen ergibt sich ein extrem hoher Stückpreis, der primär durch die komplexe Elektronik und die neuen Sensoren gerechtfertigt wird. Budgetschwache Schulen dürften erhebliche Schwierigkeiten haben, ganze Klassensätze zu finanzieren, was die digitale Spaltung im Bildungssektor verschärfen könnte.
Technisch bietet das Set einen sinnvollen Zugang zu abstrakten KI-Konzepten ohne reine Bildschirmarbeit ("Beyond Screen"). Die Integration von haptischem Feedback in den Lernprozess gilt didaktisch als wertvoll und überlegen gegenüber reinen Software-Simulationen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob die Hardware den hohen Anschaffungspreis durch Langlebigkeit und eine stabile Software-Qualität im Schulalltag rechtfertigen kann.
