Ein künstlicher Antikörper wird erzeugt

Künstliche Antikörper aus dem Computer: Warum Sanofi jetzt Milliarden investiert

Künstliche Intelligenz entwirft erstmals medikamentenähnliche Proteine und läutet damit eine völlig neue Ära der modernen Medizin ein.

Andreas Becker Nano Banana
Ein künstlicher Antikörper wird erzeugt

Künstliche Intelligenz entwirft jetzt erstmals Antikörper, die wie echte Medikamente wirken. Für Patienten bedeutet dieser technologische Sprung eine deutlich schnellere Entwicklung hochwirksamer Therapien gegen bisher schwer heilbare Krankheiten wie Lupus oder rheumatoide Arthritis.

Der Milliarden-Deal für automatisierte Wirkstoffe

Das französische Pharmaunternehmen Sanofi investiert massiv in die Zukunft der computergestützten Arzneimittelforschung. Eine neue strategische Zusammenarbeit mit dem erst ein Jahr alten Start-up Earendil Labs sieht Zahlungen von bis zu 2,56 Milliarden US-Dollar vor. Ziel der Kooperation ist die Entdeckung neuartiger bispezifischer Antikörper für die Behandlung von Autoimmunkrankheiten.

Bispezifische Antikörper sind künstliche Proteine, die gleichzeitig an zwei verschiedene Zielstrukturen im Körper binden können. Diese Technologie ermöglicht eine präzisere Steuerung des Immunsystems als herkömmliche Wirkstoffe. Earendil Labs nutzt eine KI-gestützte Plattform, um diese komplexen Moleküle am Computer zu entwerfen und deren Wirksamkeit vorab zu simulieren.

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Revolution durch generative Proteinentwicklung

Der Trend zur KI-gesteuerten Entwicklung erfasst derzeit die gesamte Branche. Auch das Unternehmen Insilico Medicine meldet einen Erfolg und schließt einen Vertrag über 888 Millionen US-Dollar mit dem Pharmakonzern Servier ab. Hier liegt der Fokus auf der Onkologie, also der Krebsforschung, wobei die KI schwierige Zielstrukturen identifiziert, die bisher als nicht therapierbar galten.

Parallel dazu veröffentlichte das Biotech-Unternehmen 1910 Genetics Details zu seinem Modell Pegasus. Diese KI ist in der Lage, makrozyklische Peptide zu entwerfen. Dabei handelt es sich um ringförmige Moleküle, die aufgrund ihrer Struktur besonders stabil sind und tief in Zellen eindringen können, um dort Krankheitserreger zu bekämpfen.

Sensoren für die Krebsfrüherkennung

Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) gehen noch einen Schritt weiter. Sie entwickelten mithilfe von künstlicher Intelligenz spezielle Sensoren auf Basis von Nanopartikeln. Diese Sensoren reagieren auf bestimmte Eiweißstoffe im Körper, die typischerweise bei Krebserkrankungen auftreten.

Die Technologie könnte den Weg für einfache Tests zu Hause ebnen, die viele Krebsarten bereits in einem sehr frühen Stadium erkennen. Durch die Kombination von KI-Design und Nanotechnologie verkürzen die Wissenschaftler die Entwicklungszeit für solche Diagnostik-Werkzeuge erheblich. Die herkömmliche Suche nach passenden Molekülen dauerte früher oft Jahre.

Von der Vorhersage zur Konstruktion

Die pharmazeutische Industrie erlebt derzeit einen Paradigmenwechsel. Während frühere KI-Modelle wie AlphaFold primär dazu dienten, die Form bestehender Proteine vorherzusagen, konstruieren moderne Systeme nun völlig neue Wirkstoffe von Grund auf. Experten sprechen von generativer Biopharmazie, die den Prozess von der ersten Idee bis zum klinischen Test massiv beschleunigt.

Diese Entwicklung markiert das Ende der Ära des Ausprobierens im Labor. Anstatt Tausende von Substanzen in physischen Experimenten zu testen, filtert die Software die vielversprechendsten Kandidaten bereits digital heraus. Die Biopharm-Revolution scheint damit endgültig im klinischen Alltag angekommen zu sein.

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