Exodus der Experten: Jerry Tworek kehrt OpenAI den Rücken
Nach fast sieben Jahren verlässt einer der wichtigsten Architekten von GPT-4 das Unternehmen aus San Francisco.

Jerry Tworek verlässt OpenAI nach sieben prägenden Jahren und hinterlässt eine empfindliche Lücke in der Forschungsabteilung. Als Architekt der logischen Reasoning-Modelle war er entscheidend für den technologischen Vorsprung des KI-Pioniers verantwortlich.
Abschied eines Gründungsmitglieds
Tworek gehörte seit November 2017 zum Kernteam von OpenAI. Er begleitete den Wandel von einer gemeinnützigen Forschungsorganisation zum einflussreichsten KI-Unternehmen der Welt. In seiner Zeit als Vize-Präsident für Forschung prägte er die Entwicklung der wichtigsten Sprachmodelle maßgeblich.
Der Experte verabschiedete sich mit einer Nachricht an sein Team und die Öffentlichkeit. Er betonte dabei, wie stolz er auf die gemeinsamen Errungenschaften sei. OpenAI habe bereits jetzt einen ewigen Platz in der Geschichte der Menschheit sicher.
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Der Kopf hinter dem logischen Denken
Besondere Verdienste erwarb sich Tworek durch die Leitung der Reasoning-Abteilung. Unter Reasoning versteht man die Fähigkeit einer KI, komplexe Probleme durch schrittweises logisches Schlussfolgern zu lösen. Diese Technologie gilt als entscheidender Baustein auf dem Weg zu einer allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI).
Tworek war zudem maßgeblich an der Entwicklung von GPT-4 und OpenAI Codex beteiligt. Codex dient als technisches Fundament für Programmier-Assistenten wie GitHub Copilot. Seine Arbeit ermöglichte es den Modellen, nicht nur Texte zu generieren, sondern auch anspruchsvolle Software-Codes zu schreiben.
Spannungen zwischen Forschung und Kommerz
In seiner Mitteilung deutete Tworek Gründe für seinen Weggang an. Er wolle künftig Forschungsfelder erkunden, die innerhalb von OpenAI nur noch schwer umsetzbar seien. Diese Aussage interpretieren Branchenkenner als Kritik an der zunehmenden Produktorientierung unter Firmenchef Sam Altman.
Unter Altman verschob sich der Fokus zuletzt massiv in Richtung Umsatz und Massenmarkttauglichkeit. Kritiker werfen der Führung vor, die Grundlagenforschung zugunsten schneller Veröffentlichungen zu vernachlässigen. Tworeks Abgang verstärkt diese Bedenken innerhalb der Forschergemeinschaft nun deutlich.
Ein Unternehmen im Wandel
Der Abgang reiht sich in eine Welle prominenter Kündigungen ein. Zuvor verließen bereits Technikchefin Mira Murati und Mitbegründer Ilya Sutskever das Unternehmen. OpenAI verliert damit in kurzer Zeit massiv an institutionellem Wissen und wissenschaftlichem Gewicht.
Das Unternehmen steht nun vor der Herausforderung, seine ambitionierten Ziele ohne seine profiliertesten Köpfe zu erreichen. Während die Konkurrenz durch Google und Anthropic wächst, muss Altman beweisen, dass OpenAI auch als produktorientierter Konzern technologisch führend bleiben kann.