Milliarden-Deal für eine völlig neue Art von KI
Der AlphaGo-Erfinder baut mit Ineffable Intelligence eine künstliche Intelligenz abseits von ChatGPT und bricht damit europäische Finanzierungsrekorde.

Der ehemalige Google-Forscher David Silver sammelt laut der Financial Times für sein Londoner KI-Startup Ineffable Intelligence eine Seed-Finanzierung über eine Milliarde US-Dollar ein. Das Unternehmen plant die Entwicklung "übermenschlicher" künstlicher Intelligenz abseits herkömmlicher Sprachmodelle.
Fokus auf bestärkendes Lernen
Der KI-Wissenschaftler verließ DeepMind kürzlich nach langjähriger Tätigkeit, um sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Silver erlangte internationale Bekanntheit als leitender Forscher hinter AlphaGo, dem ersten Computerprogramm, das einen professionellen menschlichen Spieler im hochkomplexen Brettspiel Go besiegte. Sein neues Projekt zielt darauf ab, die Leistungsgrenzen heutiger maschineller Lernverfahren deutlich zu verschieben.
Anstatt sich primär auf riesige Textmengen zu stützen, wie es bei aktuellen generativen Modellen der Fall ist, setzt Ineffable Intelligence auf andere Architekturen. Der Fokus liegt den verfügbaren Informationen zufolge auf fortgeschrittenen Formen des bestärkenden Lernens (Reinforcement Learning). Bei dieser Methode lernt ein Algorithmus durch Versuch und Irrtum in simulierten Umgebungen, optimale Strategien für komplexe Problemstellungen zu entwickeln. Dieser Ansatz unterscheidet sich fundamental von der Funktionsweise aktueller Large Language Models (LLMs), die in erster Linie statistische Wahrscheinlichkeiten für das nächste Wort in einem Text berechnen.
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Europäischer Rekord bei der Anschubfinanzierung
Die US-Risikokapitalgesellschaft Sequoia Capital führt die aktuelle Finanzierungsrunde für das neu gegründete Unternehmen an. Mit einem anvisierten Volumen von rund einer Milliarde US-Dollar handelt es sich um die bislang größte bekannte Seed-Finanzierung eines europäischen Technologie-Startups. Bisherige europäische KI-Unternehmen wie das französische Mistral AI sammelten in ihren ersten Finanzierungsrunden deutlich geringere Summen im zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Millionenbereich ein.
Das ungewöhnlich hohe Investmentvolumen in einer derart frühen Phase verdeutlicht das starke finanzielle Interesse der Kapitalgeber an alternativen KI-Ansätzen, die über das reine Skalieren von Sprachmodellen hinausgehen. Die formelle Eintragung der Ineffable Intelligence Ltd. in das britische Handelsregister erfolgte bereits vor knapp drei Monaten am Standort London. Der Markt für KI-Investitionen konzentriert sich damit zunehmend auch auf erfahrene Forschungsleiter, die aus großen Technologiekonzernen ausscheiden.
Mit dem frischen Kapital plant Ineffable Intelligence nun in den kommenden Monaten den Aufbau einer leistungsstarken Recheninfrastruktur sowie die Rekrutierung von spezialisiertem Fachpersonal in Großbritannien.