KI-Paradoxon 2026: Warum der Fortschritt jetzt an eine harte Grenze stößt
Google DeepMind-Chef Hassabis warnt in Davos: Trotz Rekordtempo droht der KI-Revolution durch Hardware-Mangel der Stillstand.

Demis Hassabis zeichnet in Davos das Bild einer Technologie, die sich schneller entwickelt als die industrielle Revolution, aber an physische Grenzen stößt. Der totale Ausverkauf von HBM4-Speicher und explodierende Infrastrukturkosten bedrohen den geplanten massenhaften Rollout der nächsten KI-Generation.
Das Ende der reinen Forschungsphase
Die Stimmung auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos hat sich gedreht. Demis Hassabis, Kopf von Google DeepMind, definierte in seiner Keynote den aktuellen Status Quo der Künstlichen Intelligenz neu. Die Technologie vollzieht derzeit den schmerzhaften Übergang von der wissenschaftlichen Entdeckung zur kommerziellen "Deployment Phase" (Einsatzphase). Hassabis verglich die aktuelle Geschwindigkeitszunahme mit der industriellen Revolution, betonte jedoch, dass der Wandel diesmal zehnmal schneller und umfassender abläuft.
Diese Beschleunigung erzeugt jedoch das von Hassabis beschriebene "KI-Paradoxon". Während die Algorithmen exponentiell leistungsfähiger werden, hinkt die physische Welt hinterher. Die Modelle benötigen Rechenzentren und Hardware, deren Bau Jahre dauert, während die Software sich monatlich neu erfindet. Hassabis mahnte, dass ohne eine Lösung der Ressourcenfrage der wissenschaftliche Vorsprung nicht in ökonomischen Nutzen umgewandelt werden kann.
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Kampf um die letzte Hardware
Wie ernst die Lage bei der Hardware ist, zeigen aktuelle Berichte aus der Lieferkette. Der für KI-Beschleuniger essenzielle HBM4-Speicher (High Bandwidth Memory der 4. Generation) ist offiziell bis Ende 2026 ausverkauft. Die sogenannten Hyperscaler – also Giganten wie Microsoft, Google und Meta – haben sich über langfristige Verträge faktisch die gesamte globale Produktion gesichert.
Für kleinere Akteure und Neueinsteiger schließt sich damit das Fenster für den Markteintritt fast vollständig. Verschärft wird die Situation durch die geopolitische Lage: Die angedrohten Zölle der Trump-Administration auf Speicherchips aus Asien sorgen für zusätzliche Nervosität an den Märkten. Experten sehen hierin nicht nur eine Preissteigerung, sondern eine reale Gefahr für den globalen Rollout neuer KI-Dienste, da Hardware nicht mehr dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Energiehunger und die Kostenfalle
Neben der Hardware rückt die Energieversorgung in den Fokus der Kritik. OpenAI reagierte am Mittwoch auf wachsende Proteste und schloss sich einer Initiative von Microsoft an. Das Unternehmen verpflichtete sich, dass der massive Energiebedarf der neuen Rechenzentren nicht auf die Stromrechnungen der Anwohner umgelegt wird. OpenAI plant, die notwendigen Infrastruktur-Upgrades selbst zu finanzieren und den Wasserverbrauch strikt zu limitieren.
Dieser Schritt ist notwendig, da die Akzeptanz in der Bevölkerung schwindet. Auch innerhalb der Branche wächst der Unmut über die Kostenstruktur. Der CEO von Anthropic sorgte in Davos für Aufsehen, als er die Preispolitik von Nvidia offen kritisierte. Die Monopolstellung des Chipherstellers und die damit verbundenen Kosten würden Innovationen abwürgen. Es ist ein deutliches Zeichen, dass der Burgfrieden im Silicon Valley bröckelt, sobald die Margen unter dem Druck der Ressourcenknappheit schmelzen.