Ein Google Entwickler mit Anthropic Werkzeug in der Hand

Google unter Druck: Claude Code erledigt ein Jahresprojekt in einer Stunde

Eine Google-Expertin warnt vor der rasanten Geschwindigkeit der Konkurrenz und sieht die klassische Softwareentwicklung massiv bedroht.

Andreas Becker Nano Banana
Ein Google Entwickler mit Anthropic Werkzeug in der Hand

Die Google-Expertin Jaana Dogan berichtet von einem technologischen Sprung in der Softwareentwicklung. Mit dem KI-Werkzeug Claude Code erstellte sie in nur einer Stunde ein komplexes System, für das ein Google-Team zuvor ein ganzes Jahr benötigte.

Der Durchbruch im Zeitraffer

Dogan nutzte für ihren Test eine textbasierte Anweisung von lediglich drei Absätzen. In sechzig Minuten generierte das Werkzeug von Anthropic einen funktionsfähigen Orchestrator für verteilte Agenten. Ein Orchestrator ist ein System, das die Zusammenarbeit mehrerer spezialisierter KI-Programme steuert und koordiniert.

Obwohl das Ergebnis laut Dogan nicht perfekt war, bezeichnete die Ingenieurin die Qualität als vergleichbar mit der internen Google-Lösung. Sie betonte, dass die Effizienzgewinne in der Programmierung mittlerweile alle bisherigen Vorstellungen der Branche übertreffen. Die Expertin sieht in dieser Entwicklung eine massive Beschleunigung für Softwareprojekte weltweit.

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Die Technik hinter dem Erfolg

Bei dem verwendeten Tool handelt es sich um Claude Code, eine spezialisierte Schnittstelle für die textbasierte Kommandozeile (CLI - Command Line Interface). Das System agiert als autonomer Agent, der ganze Code-Basen verstehen, bearbeiten und eigenständig Tests durchführen kann. Im Gegensatz zu einfachen Chatbots arbeitet das Programm direkt in der Entwicklungsumgebung des Programmierers.

Boris Cherny, der leitende Entwickler hinter dem Projekt bei Anthropic, rät Nutzern zu einer methodischen Arbeitsweise. Der Start in einem speziellen Planungsmodus erhöhe die Erfolgschancen bei komplexen Architekturaufgaben massiv. Das System hat im letzten Monat bereits tausende Commits, also dokumentierte Code-Änderungen, für seine eigene Weiterentwicklung erstellt.

Auswirkungen auf die Branche

Die Entwicklung der KI-gestützten Programmierung verlief in den letzten Jahren rasant. Während Systeme im Jahr 2022 lediglich einzelne Codezeilen vervollständigten, strukturieren sie heute eigenständig riesige Softwareprojekte um. Dogan erklärte, dass sie diesen Fortschritt noch vor kurzem für technisch kaum realisierbar gehalten hätte.

Auch namhafte Entwickler wie der Rust-Veteran Steve Klabnik nutzen die Technologie für ambitionierte Vorhaben. Klabnik entwirft derzeit mithilfe von Claude die neue Programmiersprache Rue. Er berichtet, dass er in zwei Wochen mit KI-Unterstützung weiter gekommen ist als in zwei Monaten ohne die digitalen Assistenten.

Grenzen und Sicherheitsbedenken

Trotz der beeindruckenden Leistung bleibt die menschliche Kontrolle weiterhin ein entscheidender Faktor. Dogan musste den generierten Code nachbearbeiten, um die finale Stabilität und Sicherheit des Systems zu gewährleisten. KI-Agenten neigen in komplexen Umgebungen noch immer zu Flüchtigkeitsfehlern, die erfahrene Entwickler identifizieren müssen.

Bei Google ist der Einsatz von Claude Code derzeit streng reglementiert. Die Nutzung ist lediglich für Open-Source-Projekte gestattet, während interne Firmendaten aus Sicherheitsgründen für das Werkzeug gesperrt bleiben. Dennoch motiviert der Erfolg der Konkurrenz das Gemini-Team bei Google, die eigenen Entwickler-Werkzeuge schneller voranzutreiben.

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