Ein Disney und Bytedance Logo

Disney mahnt ByteDance wegen KI-Videogenerator Seedance 2.0 ab

Der Unterhaltungskonzern wirft dem TikTok-Mutterkonzern massive Urheberrechtsverletzungen durch unlizenzierte Trainingsdaten vor.

Andreas Becker Nano Banana
Ein Disney und Bytedance Logo

Der Unterhaltungskonzern Disney geht mit einer Unterlassungserklärung gegen ByteDance und deren neues Text-zu-Video-Modell Seedance 2.0 vor. Der Vorwurf lautet, dass die Entwickler das neuronale Netz mit urheberrechtlich geschütztem Material wie Star-Wars- und Marvel-Charakteren trainiert haben.

Funktionsweise und Vorwürfe

Seedance 2.0 generiert aus Texteingaben hochauflösende Videosequenzen. Solche generativen KI-Modelle analysieren in der Trainingsphase gewaltige Mengen an Bild- und Videodaten, um Muster, Bewegungsabläufe und Objekteigenschaften zu erlernen. Disney wirft dem TikTok-Mutterkonzern ByteDance vor, für diesen Rechenprozess eine unlizenzierte Datenbank genutzt zu haben. Diese soll systematisch geschützte Werke des Filmstudios umfassen.

Durch die Aufnahme dieses Materials in den Trainingsdatensatz kann die Software Figuren wie Micky Maus oder Darth Vader detailgetreu reproduzieren. Laut der Unterlassungserklärung fordert Disney die sofortige Einstellung des Betriebs von Seedance 2.0. Der Konzern stützt sich dabei auf den Schutz des geistigen Eigentums und sieht in der Reproduktion eine direkte Urheberrechtsverletzung. ByteDance hat sich zu den Vorwürfen der Nutzung einer unrechtmäßig beschafften Bibliothek bislang nicht geäußert.

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Reaktionen der Filmindustrie

Der Fall zieht bereits weitere Kreise innerhalb der Unterhaltungsindustrie. Die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA und der Branchenverband Motion Picture Association (MPA) kritisieren das Vorgehen von ByteDance scharf. Sie bemängeln, dass KI-Entwickler urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne Lizenzierung oder Vergütung für das Training ihrer Algorithmen verwenden.

Die Gewerkschaften befürchten finanzielle Einbußen und den Verlust der Kontrolle über das visuelle Erscheinungsbild von Schauspielern und Kunstfiguren. In der Praxis zeigt Seedance 2.0 eine hohe visuelle Konsistenz, die eine Unterscheidung zwischen Originalmaterial und computergeneriertem Video erschwert. Dieser technische Umstand verstärkt die Sorge der Studios vor unautorisierten Kopien und kommerziellem Missbrauch ihrer Marken.

Juristische und technische Folgen

Seedance 2.0 erzielt derzeit eine enorm hohe Reichweite im Netz. Nutzer generieren kontinuierlich Clips von bekannten Hollywood-Schauspielern, die sich optisch kaum noch von echten Filmaufnahmen unterscheiden lassen. In der Bildqualität und zeitlichen Konsistenz liefert das Modell aktuell detailreichere Ergebnisse als Konkurrenzsysteme wie VEO 3.1 oder Sora 2. Genau diese hohe visuelle Präzision bei der Darstellung realer Personen und geschützter Figuren führt nun zu den juristischen Auseinandersetzungen.

Der Konflikt verdeutlicht das ungelöste Problem der Datengewinnung für maschinelles Lernen. Gerichte müssen klären, ob das unautorisierte Trainieren mit geschütztem Material unter die Fair-Use-Regelungen fällt oder eine illegale Verwertung darstellt. Setzen sich die Rechteinhaber durch, zwingt dies KI-Unternehmen zur aufwendigen Filterung ihrer Datensätze oder zum Zukauf teurer Lizenzen. Ein Urteil zugunsten Disneys würde die Entwicklung künftiger Videogeneratoren merklich verteuern.

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