Anthropic CEO warnt: AI-Chip-Export ist wie Atomwaffen an Nordkorea zu liefern
Dario Amodei zieht in Davos einen beängstigenden Vergleich und fordert den sofortigen Stopp westlicher Hardware-Lieferungen.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos warnt Anthropic-CEO Dario Amodei eindringlich vor US-Chip-Exporten nach China. Der Vergleich mit nuklearer Aufrüstung verdeutlicht die geopolitische Sprengkraft der aktuellen Technologie-Transfer-Debatte für die westliche Sicherheitsarchitektur.
Scharfe Kritik an US-Exportpolitik
Dario Amodei nutzte die Bühne des Weltwirtschaftsforums in Davos für eine ungewöhnlich deutliche politische Positionierung. Der Mitgründer des KI-Labors Anthropic bezeichnete die aktuelle Praxis der Vereinigten Staaten, leistungsfähige KI-Hardware nach China zu liefern, als strategischen Fehler.
In einer drastischen Analogie verglich er den Technologie-Transfer direkt mit militärischer Aufrüstung. Seiner Ansicht nach ist der Verkauf dieser spezialisierten Prozessoren an China moralisch und strategisch vergleichbar damit, Nordkorea nukleare Waffen zu verkaufen. Diese Aussage markiert eine neue Eskalationsstufe in der Debatte darüber, wie westliche Unternehmen mit dem riesigen, aber geopolitisch brisanten chinesischen Markt umgehen sollen.
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Lücken in den Sanktionen
Im Zentrum der Kritik stehen dabei nicht nur die absoluten Spitzenmodelle der Chiphersteller, sondern auch Prozessoren der zweiten Reihe. US-Unternehmen passen ihre Produkte oft minimal an, um knapp unterhalb der technischen Grenzwerte der Exportbeschränkungen zu bleiben und so den Handel legal fortzusetzen.
Amodei argumentiert jedoch, dass diese Unterscheidung in der Praxis kaum relevant ist. Auch Chips, die geringfügig langsamer sind als die aktuelle Spitzenklasse, ermöglichen das Training und den Betrieb hochkomplexer KI-Modelle. Der Westen liefert damit die notwendige Infrastruktur, um staatlich kontrollierte künstliche Intelligenz in China massiv zu skalieren.
KI als geopolitisches Machtinstrument
Hinter der Warnung steht die Überzeugung, dass künstliche Intelligenz den entscheidenden Faktor für zukünftige militärische und wirtschaftliche Dominanz darstellt. Amodei betont die exponentielle Beschleunigung der Intelligenz-Entwicklung, die keine halben Sachen bei der Sicherheitsarchitektur duldet.
Ein ungebremster Zufluss an Rechenleistung stärkt autokratische Systeme und untergräbt die langfristigen Interessen demokratischer Staaten. Die USA und Europa riskieren laut dem Anthropic-Chef ihre technologische Souveränität, wenn kurzfristige Profite der Halbleiterindustrie über nationale Sicherheitsinteressen gestellt werden.
Zunehmender Druck auf Chiphersteller
Diese Aussagen erhöhen den Rechtfertigungsdruck auf Regulierungsbehörden und Hardware-Produzenten erheblich. Unternehmen wie Nvidia profitieren finanziell stark vom chinesischen Absatzmarkt, müssen sich aber zunehmend der Frage stellen, ob ihre Produkte gegen westliche Interessen eingesetzt werden.
Die Debatte in Davos zeigt deutlich, dass die Ära des weitgehend freien Technologiehandels endet. Sicherheitsinteressen dominieren zunehmend über wirtschaftliche Erwägungen, und Stimmen wie die von Amodei fordern eine noch striktere Entkopplung der technologischen Ökosysteme.