Ein Crawler mit Geldbeutel vor einer Paywall

Cloudflare ändert das Internet: Geld für KI-Daten statt Blockaden

Human Native Übernahme ermöglicht Webseitenbetreibern endlich faire Bezahlung für das Training von KI-Modellen.

Andreas Becker Nano Banana
Ein Crawler mit Geldbeutel vor einer Paywall

Cloudflare übernimmt das Startup Human Native und positioniert sich damit als zentraler Vermittler im Konflikt um urheberrechtlich geschützte Trainingsdaten. Für Webseitenbetreiber entsteht so eine technische Infrastruktur, um KI-Firmen für das Auslesen ihrer Inhalte direkt zur Kasse zu bitten.

Vom Türsteher zum Daten-Makler

Lange Zeit glich das Internet für KI-Entwickler einem kostenlosen Selbstbedienungsladen. Cloudflare bot Webseitenbetreibern im vergangenen Jahr zunächst Werkzeuge an, um diese KI-Bots per Knopfdruck pauschal auszusperren. Mit der Übernahme von Human Native vollzieht das Unternehmen nun einen strategischen Schwenk: Statt Bots nur zu blockieren, sollen sie künftig zur Kasse gebeten werden.

Human Native hat sich auf die Vermittlung zwischen Rechteinhabern und KI-Modellentwicklern spezialisiert. Die Technologie des Startups ermöglicht es, Inhalte genau zu identifizieren und Lizenzvereinbarungen automatisiert abzuwickeln. Cloudflare integriert diese Logik tief in sein riesiges Netzwerk, über das ein signifikanter Teil des weltweiten Internetverkehrs läuft. Das Ziel ist ein standardisierter Marktplatz, auf dem Webseitenbetreiber festlegen, zu welchem Preis ihre Daten für das Training von Modellen genutzt werden dürfen.

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Rechtlicher Druck und das Ende der "Wild West"-Mentalität

Der Zeitpunkt für diesen Schritt ist nicht zufällig gewählt. Große KI-Akteure wie OpenAI, Apple oder Nvidia stehen zunehmend unter Druck. Berichte über das ungefragte Nutzen von YouTube-Inhalten oder urheberrechtlich geschützten Texten häufen sich. Gleichzeitig fordert der EU AI Act massive Transparenz darüber, mit welchen Daten Modelle trainiert wurden. Die Zeiten, in denen Daten unbemerkt abgegriffen wurden, neigen sich dem Ende zu.

Für Publisher und Creator war die Situation bisher unbefriedigend: Sie konnten ihre Inhalte entweder komplett vor Crawlern verstecken und damit Reichweite riskieren, oder sie wurden ohne Kompensation ausgelesen. Individuelle Lizenzdeals waren bisher nur großen Medienhäusern vorbehalten, da der bürokratische Aufwand für kleinere Seiten zu hoch war. Cloudflare will diese Lücke schließen, indem es die Verhandlung und technische Auslieferung der Daten automatisiert bündelt.

Automatisierte Abrechnung per Crawler

Die technische Vision hinter der Übernahme ist das sogenannte "Pay Per Crawl"-Modell. Ähnlich wie bei Werbeanzeigen könnten Webseitenbetreiber dynamische Preise festlegen. Ein KI-Bot, der eine Seite besucht, weist sich digital aus und akzeptiert die Lizenzbedingungen in Echtzeit. Die Infrastruktur von Cloudflare prüft den Zugriff und wickelt im Hintergrund die Zahlung ab.

Ergänzend dazu arbeitet Cloudflare mit der x402 Foundation zusammen, um Zahlungsmethoden zu entwickeln, die speziell auf autonome KI-Agenten zugeschnitten sind. Damit positioniert sich das Unternehmen als unverzichtbare Mautstelle im Internet der Zukunft, die sicherstellt, dass hochwertige Daten nicht versiegen, sondern zu einem handelbaren Gut werden.

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