Mit einem millionenfach geklickten Beitrag zu seinem Rücktritt bei Anthropic löst der Forscher Jacob Coxon eine Welle der Zustimmung aus. Er wirft der KI-Industrie vor, für schnellen Fortschritt das Überleben der Menschheit zu riskieren.
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I resigned from Anthropic today. I spent the last three years doing pretraining research at both OpenAI and Anthropic. Neither company is acting responsibly. They are racing straight to self-improving superintelligence and gambling with our lives. More thoughts below.
— Jacob Coxon (@hilbertspaess) September 9, 2026
Ungebremstes Tempo und Warnungen
Coxon forschte in den vergangenen drei Jahren im Bereich Pretraining für OpenAI und Anthropic. In seinem viralen Beitrag auf X wirft er beiden Unternehmen Verantwortungslosigkeit vor. Sie würden ungebremst auf eine sich selbst verbessernde Superintelligenz zusteuern und mit dem menschlichen Leben spielen.
Diese Sorgen teilen auch aktuelle Mitarbeiter der Konkurrenz. Julie Steele aus dem Sicherheitsteam von OpenAI äußerte sich nach dem Vorfall öffentlich und forderte ebenfalls eine deutliche Verlangsamung der Entwicklung. Die Stimmen besorgter Forscher häufen sich spürbar und legen interne Ängste vor einem Kontrollverlust offen.
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Ein Maulkorb für Deepmind Forscher
Dass solche Bedenken in der Industrie lange systematisch unterdrückt wurden, bestätigt der ehemalige Pressesprecher von Google Deepmind, Vishal Maini. Er arbeitete zwischen 2018 und 2022 für das Kommunikations- und Politikteam des Unternehmens. Über eine mögliche Auslöschung der Menschheit durch KI durfte damals niemand bei Deepmind sprechen.
Forscher erhielten stattdessen ein spezielles Medientraining, um derartige Risiken als reinen Alarmismus abzutun. In der Öffentlichkeit sollten sie betonen, die Modelle würden »von Haus aus sicher sein« und Gespräche gezielt auf Anwendungen in den Bereichen Gesundheit oder Klima lenken.
Intern war den Entwicklern jedoch längst bewusst, dass das Alignment-Problem völlig ungelöst blieb. Die sichere Ausrichtung von Modellen auf menschliche Werte scheiterte regelmäßig am sogenannten Reward Hacking. Zudem arbeiteten laut Maini viel zu wenige Leute an einer Lösung.
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I was on the communications & policy team at Google DeepMind from 2018 - 2022.
— Vishal Maini (@v_maini) September 10, 2026
When I first joined GDM, external communication about the possibility of human extinction was not permitted, by anyone, at any level of the organization. If asked about existential risk, researchers… https://t.co/37xILgdW5X
Lücke zwischen PR und Realität schließt sich
Nach monatelanger interner Kritik änderte Deepmind später die Vorgaben und erlaubte positiv formulierte Beiträge zum Thema KI-Sicherheit. Ein Blogpost verpackte das Risiko einer Auslöschung schließlich in einen gefälligen Ton.
Laut Maini schließt sich die Lücke zwischen interner Realität und externer Kommunikation nun jedoch endgültig. Die Risiken seien schlicht zu greifbar, um sie weiterhin zu ignorieren. Das plötzliche Aussprechen von existenziellen Gefahren sei kein PR-Trick, sondern die Reaktion der Entwickler auf eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung.
