Claude Mythos knackt wichtige Verschlüsselungen
Anthropic zeigt wie Claude in wenigen Stunden fundamentale Fehler in wichtigen Sicherheitsstandards aufdeckt.

Das KI-Modell Claude Mythos Preview hat selbstständig Konstruktionsfehler in kryptografischen Algorithmen aufgedeckt. Laut Anthropic schwächt Claude den Post-Quanten-Kandidaten HAWK erheblich und beschleunigt Angriffe auf eine reduzierte Version des weitverbreiteten AES-Standards.
Angriff auf die mathematische Basis
Bisher fanden KI-Modelle vor allem Programmierfehler in bestehenden Krypto-Bibliotheken. Nun deckt Claude fundamentale Schwächen in der reinen Mathematik der Verschlüsselungsverfahren auf.
Bei HAWK, einem Kandidaten für künftige Post-Quanten-Sicherheit der US-Behörde NIST, gelang Claude dies in nur 60 Stunden.
Claude entdeckte eine zuvor ungenutzte Symmetrie in der Struktur des Algorithmus. Dieser Fehler halbiert die effektive Schlüssellänge. Bei der Variante HAWK-256 sinkt der nötige Rechenaufwand für einen Angriff von 2^64 auf 2^38 Operationen.
Um diese Lücke zu schließen, müssen die Entwickler die Schlüssellänge verdoppeln. Das kostet HAWK jedoch seinen bisherigen Geschwindigkeitsvorteil.
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Eigenständige Krypto-Forschung
Bei der Entdeckung arbeitete Claude weitgehend autonom. Ein Anthropic-Forscher stellte eine Sandbox-Umgebung bereit, in der mehrere Agenten des Modells miteinander kommunizierten. Sie überprüften Fachliteratur, verwarfen falsche Ansätze und verifizierten den Code am Ende selbst.
Die Entwicklung dieses Angriffs verursachte API-Kosten von rund 100.000 US-Dollar.
Claude erzielte einen weiteren Erfolg bei einer modifizierten Version des Advanced Encryption Standard (AES). Das Modell erstellte dafür einen speziellen Fingerprinting-Algorithmus, den es selbst »Möbius Bridge« taufte. Er beschleunigt eine bekannte Angriffsmethode auf die 7-Runden-Version von AES um den Faktor 200 bis 800.
Claude produzierte für diesen Lösungsweg rund eine Milliarde Token. Anthropic-Mitarbeiter brauchten fast einen Monat, um die Richtigkeit der komplexen Berechnungen zu bestätigen.
Entwarnung für aktuelle IT-Systeme
Heutige Rechner und Smartphones sind durch diese Ergebnisse nicht gefährdet. HAWK befindet sich noch im Auswahlverfahren und wird nicht produktiv genutzt. Der Angriff auf AES betrifft ausschließlich eine reduzierte Forschungs-Variante und nicht den vollen Standard.
Anthropic hat die HAWK-Entwickler und US-Behörden vorab informiert. Claude entdeckte inzwischen weitere theoretische Schwachstellen in den Algorithmen LEA, Serpent-128 und Salsa20.
Anthropic stellt Forschern nun den Benchmark CryptanalysisBench zur Verfügung, um die Krypto-Fähigkeiten künftiger KI-Generationen messbar zu machen.