Strategiewechsel: OpenAI kopiert Anthropic
Nach dem rasanten Erfolg der direkten Konkurrenz richtet sich OpenAI neu aus und fokussiert sich primär auf den B2B-Markt.

Vor knapp einem Monat habe ich mir in einer Analyse die Frage gestellt, ob ChatGPT schon 2026 am Ende ist, weil das Unternehmen zwar überall mitmischt, aber nirgends mehr dominiert. Laut dem Wall Street Journal zieht der KI-Entwickler nun harte Konsequenzen: Zahlreiche Nebenprojekte stoppen, der neue Fokus liegt primär auf Code-Generierung und lukrativen Geschäftskunden.
Rückkehr zum Kerngeschäft
Fidji Simo, bei OpenAI als Führungskraft für Anwendungen zuständig, kündigte den Strategiewechsel kürzlich auf einer internen Versammlung vor den Mitarbeitern an. Sie betonte dabei unmissverständlich, dass die Produktivität im Geschäftskundenbereich ab sofort absolut im Mittelpunkt stehen müsse und Ablenkungen keinen Platz mehr haben.
In den vergangenen zwei Jahren fuhr das Unternehmen eine extrem breite Strategie, die fast an einen unübersichtlichen Bauchladen erinnerte. OpenAI entwickelte neben komplexen Sprachmodellen auch Hardware-Prototypen, einen eigenen Webbrowser namens Atlas und die vielbeachtete Video-App Sora. Letztere Anwendung erreichte zwar nach dem Release sofort hohe Downloadzahlen, die aktive Nutzung durch die Community stagnierte im Anschluss jedoch sehr schnell.
Solche isolierten Projekte binden nicht nur große finanzielle Mittel, sondern fressen auch wertvolle Entwicklerzeit, die OpenAI zuletzt spürbar beim Training der Kerntechnologie fehlte. Künftig plant der Entwickler daher, neue multimediale Funktionen direkt in das bekannte Frontend von ChatGPT zu integrieren und die Arbeit an eigenständigen Konsumenten-Apps komplett einzustellen.
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Der direkte Konkurrent gibt die Richtung vor
Dieser abrupte Kurswechsel passiert keineswegs im luftleeren Raum. Anthropic hat sich in den vergangenen Monaten bemerkenswert zielstrebig an die Spitze des Enterprise-Marktes gearbeitet. Mit speziellen B2B-Produkten und KI-Modellen, die auf einem extrem hohen Niveau programmieren können, haben sie zahllose große Unternehmen als feste Kunden gewonnen.
OpenAI läuft durch diese rasante Entwicklung akut Gefahr, den Anschluss im wirtschaftlich wichtigsten B2B-Sektor dauerhaft zu verlieren. Während das kalifornische Unternehmen früher fast im Alleingang die neuen Trends setzte, agiert es aktuell ungewohnt stark aus der Defensive heraus. Die neue und strikte Fokussierung auf Code und Business ist eine offensichtliche Reaktion auf den kommerziellen Erfolg von Anthropic im professionellen Umfeld.
Geschäftskunden verlangen verlässliche Modelle, eine jederzeit stabile API und einen wasserdichten Datenschutz für ihre internen Firmendaten. OpenAI richtet seine interne Struktur nun genau auf diese harten Anforderungen der Industrie aus, um seinen Status im professionellen Markt für die Zukunft abzusichern.