Ein Toyota Robotaxi in China

Toyota startet Serienfertigung des bZ4X-Robotaxis mit Pony.ai

Das autonome Elektrofahrzeug läuft erstmals direkt vom Band und integriert redundante Level-4-Technik ab Werk.

Andreas Becker Pony.ai
Ein Toyota Robotaxi in China

Toyota und das auf autonomes Fahren spezialisierte Unternehmen Pony.ai haben die Massenproduktion des bZ4X-Robotaxis im chinesischen Werk von GAC Toyota aufgenommen. Damit verlässt die Kooperation das Stadium nachträglicher Umrüstungen und integriert die autonome Fahrtechnik erstmals direkt in den industriellen Fertigungsprozess eines Elektrofahrzeugs.

Integration ab Werk statt Retrofit

Bislang basierten viele Flotten autonomer Testfahrzeuge auf Serienmodellen, die nach der Auslieferung aufwendig mit Sensoren, Recheneinheiten und Kabelsträngen nachgerüstet wurden. Dieser Prozess ist kostspielig und fehleranfällig. Bei der nun gestarteten Produktion des bZ4X-Robotaxis erfolgt die Montage der Hardwarekomponenten direkt am Fließband von GAC Toyota.

Technisch relevant ist hierbei die tiefe Verzahnung der Fahrassistenzsysteme von Pony.ai mit der Fahrzeugelektronik von Toyota (Vehicle Control Interface). Sensoren wie LiDAR, Radar und Kameras werden nicht mehr als externe Anbauten behandelt, sondern sind in das Karosseriedesign und das thermische Management des Fahrzeugs eingebunden. Dies soll laut Herstellerangaben die Langlebigkeit der Komponenten erhöhen und die Wartungszyklen im Flottenbetrieb verkürzen.

Redundanz als Sicherheitsanker

Das Fahrzeug basiert auf der e-TNGA-Plattform von Toyota und nutzt die siebte Generation der AD-Hardware (Autonomous Driving) von Pony.ai. Für den Betrieb als Level-4-Fahrzeug – also vollautomatisiert in definierten Bereichen ohne menschliches Eingreifen – verfügt das System über mehrfache Redundanzen.

Kritische Systeme wie Bremse, Lenkung und Spannungsversorgung sind doppelt ausgelegt. Sollte ein Primärsystem während der Fahrt ausfallen, übernimmt das Sekundärsystem die Kontrolle, um das Fahrzeug in einen sicheren Zustand zu überführen (Minimum Risk Maneuver). Solche Redundanzkonzepte sind essenziell, um die strengen regulatorischen Anforderungen für fahrerlose Taxis in China zu erfüllen. Ein "Remote Assistance"-System erlaubt es zudem menschlichen Operateuren, bei unklaren Verkehrssituationen aus der Ferne einzugreifen.

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Skalierung und Marktsituation

Die gefertigten Einheiten sollen in den kommenden Monaten in den chinesischen Metropolen Peking, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen eingesetzt werden. Ziel ist der kommerzielle Betrieb über die Mobilitätsplattformen von Pony.ai sowie Drittanbieter.

Der Schritt in die Serienfertigung signalisiert den Versuch, die Stückkosten pro Fahrzeug signifikant zu senken, um autonomes Fahren wirtschaftlich darstellbar zu machen. In der Praxis muss sich jedoch zeigen, wie schnell die Regulierungsbehörden die Flottengrößen für den komplett fahrerlosen Betrieb freigeben. Der chinesische Markt ist hart umkämpft; lokale Konkurrenten wie Baidu (Apollo Go) treiben ihre eigene Skalierung ebenfalls aggressiv voran. Ob die Hardware-Integration ab Werk den entscheidenden Vorteil bei der Verfügbarkeit und den Betriebskosten liefert, werden die ersten Betriebsdaten der Flotte zeigen müssen.

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