Bauen Roboter bald fehlerfrei ab dem ersten Tag?
Anlagenbauer kämpfen oft mit Abweichungen zwischen Planung und echter Fabrik. Eine neue Software verspricht nun perfekte Ergebnisse.

ABB integriert die Simulationsplattform Omniverse von Nvidia in seine Robotik-Software. Industrieanlagen lassen sich so virtuell trainieren und direkt in der realen Produktion einsetzen. Das neue System schließt die Sim-to-Real-Lücke mit 99 Prozent Genauigkeit.
Training in der virtuellen Fabrik
Bisher scheiterten viele Automatisierungsprojekte an den Unterschieden zwischen digitalen Modellen und der echten Welt. Lichtverhältnisse, Oberflächenbeschaffenheiten oder physikalische Eigenschaften weichen in der Realität oft ab. Die Folge waren ungenaue Bewegungen und lange, fehleranfällige Anpassungsphasen direkt an der echten Maschine.
Das ändert sich durch die Kombination der bestehenden ABB-Software RobotStudio und den Omniverse-Bibliotheken von Nvidia. Entwickler erstellen dabei einen detaillierten digitalen Zwilling der kompletten Produktionslinie. In dieser hochrealistischen Umgebung lernen die Maschinen ihre Aufgaben durch künstliche Intelligenz und synthetische Daten, bevor sie physisch aufgebaut sind.
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Hohe Präzision spart Zeit und Geld
Die neue Software-Lösung trägt den Namen RobotStudio HyperReality und kommt in der zweiten Jahreshälfte 2026 auf den Markt. Ein spezieller virtueller Controller sorgt dafür, dass die Software exakt das Verhalten der echten Hardware widerspiegelt. Zusammen mit einer speziellen Präzisionstechnik sinken die Positionierungsfehler der Roboterarme von bisher bis zu 15 Millimetern auf lediglich 0,5 Millimeter.
Für produzierende Unternehmen bedeutet dieser Fortschritt eine enorme Ersparnis im Alltag. Anlagenbauer verzichten komplett auf teure physische Prototypen und senken die Projektkosten um bis zu 40 Prozent. Gleichzeitig verringern sich die Rüstzeiten für neue Produktionslinien um fast 80 Prozent, da die Maschinen sofort einsatzbereit sind.
Quelle: Nvidia
Foxconn testet das System bereits
Der Elektronikfertiger Foxconn nutzt die Technologie aktuell in einem ersten Pilotprojekt. Der Konzern trainiert dort Montageroboter virtuell für die Produktion von Unterhaltungselektronik. Gerade bei kleinen Bauteilen und engen Toleranzen zahlt sich die hohe Genauigkeit aus, da sich die Ergebnisse aus der Simulation direkt auf die Fertigungsstraße übertragen lassen. Auch das US-Unternehmen WORKR setzt die Software ein, um dem aktuellen Fachkräftemangel in der Fertigung mit intelligenten Systemen zu begegnen.
Neben der reinen Simulationstechnik arbeiten die beiden Unternehmen bereits an der nächsten Stufe der Automatisierung. So prüft ABB aktuell, die Edge-KI-Plattform Jetson von Nvidia fest in seine Robotersteuerungen einzubauen. Dadurch verarbeiten die Maschinen ihre gesammelten Daten künftig direkt vor Ort und in Echtzeit.
