Linus Torvalds hat seine erste mit KI-Unterstützung entwickelte Patch-Serie für den Linux-Kernel zur Prüfung veröffentlicht. Die zehn Änderungen beschleunigen in einem synthetischen Benchmark bestimmte Lesezugriffe um den Faktor 23 und gehen ein seit Jahren bekanntes Problem an.
304 Millionen statt 13,3 Millionen Lesezugriffe
Der Engpass entsteht, wenn viele Prozessorkerne gleichzeitig dieselben zwischengespeicherten Dateidaten lesen. Dabei aktualisieren sie einen gemeinsamen Referenzzähler, der festhält, ob die Daten noch gebraucht werden. Diese Abstimmung zwischen den Kernen kostet Zeit und begrenzt die Leistung.
Torvalds’ Ansatz hält häufig genutzte Speicherbereiche länger verfügbar. Dadurch können bestimmte Lesezugriffe den gemeinsamen Zähler überspringen. Für die Absicherung nutzt der Patch einen vorhandenen Kernel-Mechanismus namens RCU, der die Freigabe des Speichers verzögert.
Auf seinem Ryzen Threadripper stieg die Zahl der Lesezugriffe bei 64 Threads von 13,3 auf 304 Millionen pro Sekunde. Der Benchmark liest denselben kleinen Datenausschnitt ständig erneut. Torvalds betont, dass reale Anwendungen deutlich weniger gewinnen werden.
An dem Problem arbeiten Kernel-Entwickler seit Jahren. Torvalds hatte bereits 2024 einen eigenen Entwurf beigesteuert und lange lokal verwendet. Auch dieser Ansatz enthielt Fehler. Für den neuen Anlauf setzte er gezielt ein Sprachmodell ein.
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KI darf helfen, der Entwickler bleibt verantwortlich
Torvalds verteidigt den KI-Einsatz auch in der Debatte über die Regeln für Kernel-Beiträge. Er lehnt pauschale Verbote ab und erwartet, dass Entwickler verstehen, was sie einreichen. Parallel streichen die Projektbetreuer die vorgeschriebene KI-Kennzeichnung »Assisted-by« aus der Dokumentation.
Die neue Patch-Serie durchläuft die übliche öffentliche Prüfung. Dabei meldete Entwickler Kiryl Shutsemau bereits eine Race Condition, also einen Fehler durch ungünstig aufeinanderfolgende parallele Abläufe. Unter bestimmten Umständen konnte der Code falsche Daten lesen. Shutsemau lieferte einen Korrekturvorschlag direkt mit.
