Claude Mythos beendet Eiszeit zwischen Regierung und Anthropic
Trotz rechtlicher Konflikte sucht das Weiße Haus den direkten Dialog mit Dario Amodei, um die Gefahren des neuen KI-Modells auszuloten.

Vertreter des Weißen Hauses und Anthropic-CEO Dario Amodei haben erste Gespräche über das neue KI-Modell Claude Mythos geführt. Das Treffen fand trotz eines laufenden Rechtsstreits zwischen dem Entwickler und dem US-Verteidigungsministerium statt.
Cybersicherheit im Fokus
Das am 7. April 2026 vorgestellte KI-Modell Claude Mythos findet und nutzt selbstständig komplexe Sicherheitslücken aus. Laut Anthropic übertrifft es menschliche Experten bei gezielten Hacking-Aufgaben. Die Entwickler gewähren deshalb derzeit nur wenigen Dutzend ausgewählten Unternehmen den Zugriff auf das Modell.
Das britische AI Security Institute hat die Fähigkeiten bereits evaluiert und bezeichnet Mythos als deutliche Weiterentwicklung gegenüber bisherigen KI-Modellen. Es kann tiefe Schwachstellen in jahrzehntealtem Code völlig autonom erkennen. Anthropic-Richtlinien-Chef Jack Clark rechnet zudem damit, dass in etwa zwölf bis achtzehn Monaten ähnliche Open-Weights-Modelle aus China zur Verfügung stehen.
Verhärtete Fronten im Vorfeld
Der direkte Dialog zwischen der US-Regierung und Anthropic markiert eine unerwartete Wende. Noch im Februar versuchte US-Präsident Donald Trump, allen Bundesbehörden die Nutzung der Modelle des Unternehmens vollständig zu untersagen. Verteidigungsminister Pete Hegseth stufte Anthropic kurz darauf offiziell als Risiko für die Lieferkette ein.
Der Konflikt beruht auf der Weigerung von Amodei, dem Pentagon eine uneingeschränkte Nutzung der KI-Modelle für autonome Waffen und Überwachungsprogramme zu erlauben. Anthropic wehrt sich seit März vor zwei Bundesgerichten gegen diese offizielle Einstufung des Verteidigungsministeriums. Eine Bundesrichterin blockierte die Anweisung des US-Präsidenten bereits vorläufig.
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Neue Kooperationen für sichere Software
Das Weiße Haus bezeichnete das Gespräch zwischen Amodei, Stabschefin Susie Wiles und Finanzminister Scott Bessent offiziell als »produktiv und konstruktiv«. Die Teilnehmer diskutierten demnach direkte Ansätze, um den Herausforderungen bei der Skalierung der Technologie pragmatisch zu begegnen.
Parallel dazu baut Anthropic eine globale Allianz mit der Wirtschaft auf. Im Rahmen der Initiative Project Glasswing kooperiert das Unternehmen mit Konzernen wie Amazon, Apple, Google, Microsoft und JPMorgan Chase. Die beteiligten Partner wollen damit kritische Software-Infrastrukturen vor den potenziellen Gefahren durch zukünftige KI-Modelle absichern.