Anthropic übernimmt Stromkosten für Anwohner bei neuen Rechenzentren
Das KI-Unternehmen reagiert auf Kritik am Energieverbrauch und will Kosten für Netzausbau und Preiserhöhungen selbst tragen.

Der KI-Entwickler Anthropic reagiert auf die wachsende Kritik am Energiehunger moderner Sprachmodelle mit einer finanziellen Garantie für Anwohner. Das Unternehmen kündigte an, sämtliche Kosten für den durch neue Rechenzentren notwendigen Netzausbau zu tragen und resultierende Tariferhöhungen direkt zu kompensieren.
Finanzierung der Infrastruktur
Der Betrieb großer KI-Cluster erfordert immense Mengen elektrischer Energie, was lokale Stromnetze häufig an ihre Belastungsgrenzen bringt. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, müssen Netzbetreiber oft neue Umspannwerke errichten oder Hochspannungsleitungen verstärken. Diese Investitionskosten werden im Regelfall auf alle Anschlussinhaber im Versorgungsgebiet umgelegt, wodurch der Strompreis für Privathaushalte steigt.
Anthropic will diesen Automatismus durchbrechen. Nach Angaben des Unternehmens sollen bei neuen Projekten, in denen Anthropic als Hauptnutzer (Anchor Tenant) auftritt, 100 Prozent der anfallenden Kosten für die Netzertüchtigung übernommen werden. Ziel ist es, die Investitionslast von der Allgemeinheit auf den Verursacher zu verlagern. Dies betrifft primär die Modernisierung der Übertragungs- und Verteilnetze, die für den Anschluss der Serverfarmen erforderlich sind.
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Direkte Gutschriften auf der Stromrechnung
Sollte es trotz der Übernahme der Infrastrukturkosten zu einer Erhöhung der lokalen Stromtarife kommen, stellt der Hersteller weitergehende Maßnahmen in Aussicht. Anthropic plant nach eigenen Angaben, die Differenzbeträge direkt auf den Stromrechnungen der betroffenen Haushalte gutzuschreiben.
Wie dieser Mechanismus technisch und bürokratisch umgesetzt werden soll, lässt das Unternehmen bislang offen. Es erfordert eine komplexe Zusammenarbeit mit lokalen Versorgern, um die spezifisch durch das Rechenzentrum verursachte Preisskomponente zu isolieren und anschließend gutzuschreiben.
Grenzen der Selbstverpflichtung
Die Ankündigung enthält relevante Einschränkungen. Die Regelung greift ausschließlich bei neuen Anlagen, in denen Anthropic eine dominante Mieterrolle einnimmt. Bestehende Rechenzentren oder Standorte, an denen das Unternehmen nur geringe Kapazitäten anmietet, fallen nicht unter diese Garantie.
Experten sehen in dem Vorstoß einen Versuch, regulatorischen Eingriffen zuvorzukommen. Da der Energiebedarf der Branche exponentiell wächst, steigt der politische Druck auf Technologieunternehmen, die externen Kosten ihres Wachstums nicht auf die Bevölkerung abzuwälzen. Ob die angekündigten Maßnahmen in der Praxis ausreichen, um lokale Widerstände gegen neue Bauprojekte zu neutralisieren, bleibt abzuwarten.