Anthropic lässt seine KI-Modelle in die experimentelle Wissenschaft vordringen. Sie haben erfolgreich neue Proteine entworfen und chemische Analysedaten in Rekordzeit ausgewertet.
KI auf Autopilot im Proteindesign
Für die Entwicklung neuer Medikamente entwerfen Forscher spezielle Proteine, die sich an Zielstrukturen im Körper heften. Dieser Vorgang kostet Spezialisten normalerweise Wochen oder Monate an Rechenzeit. Anthropic hat nun die Modelle Claude Opus 4.8 und Mythos Preview auf diese Aufgabe angesetzt.
Beide arbeiteten dabei weitgehend selbstständig. Sie planten die Strukturen, steuerten bekannte Forschungssoftware und sortierten ungeeignete Kandidaten direkt aus. Anschließend überprüften externe Labore die Entwürfe in der Praxis.
Das Resultat: Claude konstruierte für 14 von 15 vorgegebenen Zielen funktionierende Bindeproteine. Die Trefferquote lag je nach Versuchsaufbau zwischen 22 und 35 Prozent, während in der Forschung derzeit eher 10 bis 15 Prozent üblich sind. Bei einigen Zielen banden die KI-Entwürfe sogar stärker als die bisher besten bekannten Proteine der Fachliteratur.
Quelle: Anthropic
Auch vor sehr anspruchsvollen Zielen schreckte die KI nicht zurück. Opus 4.8 entwarf erfolgreich Bindeproteine für TNFα, ein wichtiges Signalprotein des Immunsystems. Daran waren zuvor bereits mehrere menschliche Expertengruppen gescheitert.
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Chemische Analysen in Minuten statt Stunden
Neben neuen Proteinen überprüfte Claude auch bestehende chemische Verbindungen. Wenn Chemiker neue Moleküle herstellen, müssen sie deren Identität und Reinheit testen. Das Auswerten der dabei entstehenden Rohdaten aus der Spektrometrie dauert im Laboralltag normalerweise Stunden.
Anthropic übergab dem breit verfügbaren Modell Claude Opus 5 die unformatierten Rohdateien eines Auftragslabors sowie eine Arbeitsanweisung in zwei Sätzen. Die KI las die proprietären Dateiformate der Messgeräte aus und lieferte nach rund 20 Minuten fertige Auswertungen. Ein Chemiker benötigt dafür in der Regel eine halbe bis ganze Stunde pro Probe.
Die Messergebnisse der KI stimmten am Ende mit den Werten des menschlichen Laborteams überein. Opus 5 erkannte zudem selbstständig Auffälligkeiten in den Datensätzen und schlug denselben Kontrolltest vor, den auch das Labor zuvor durchgeführt hatte.
Wenn KI-Modelle diese Routineanalysen übernehmen, entfällt für Chemiker die stundenlange manuelle Datenauswertung. Sie können sich stattdessen direkt der Entwicklung neuer Therapien widmen.

