Gewinnt 2026 das Formel 1 Team mit der besten KI?
Claude bei Williams, Gemini bei McLaren und Amazon bei Ferrari. Wird das den Unterschied in dieser Saison ausmachen?

Der britische Rennstall Williams präsentiert heute nicht nur den neuen FW48, sondern auch einen mächtigen Verbündeten im Serverraum: Anthropic. Das KI-Unternehmen wird offizieller "Thinking Partner". Wir analysieren den Deal und wie künstliche Intelligenz das Kräfteverhältnis der elf Teams beim Neustart 2026 durcheinanderwirbelt.
In der Formel 1 entscheiden längst nicht mehr nur PS und Aerodynamik über Sieg oder Niederlage. Daten sind der neue Treibstoff. Pünktlich zum Launch des 2026er Boliden verkündet Williams Racing heute eine mehrjährige Partnerschaft mit dem US-KI-Schwergewicht Anthropic. Das Modell "Claude" soll dem Traditionsteam helfen, den Anschluss an die Spitze zu finden. Doch Williams ist nicht allein: Das gesamte Fahrerlager rüstet digital auf.
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Claude denkt mit – mehr als nur ein Aufkleber
Williams Racing nennt die Zusammenarbeit mit Anthropic bewusst nicht bloß Sponsoring. Claude fungiert ab sofort als "Official Thinking Partner". Das klingt nach Marketing-Sprech, hat aber einen ernsten technischen Hintergrund. Das Team integriert das KI-Modell tief in die operative Struktur. Ingenieure nutzen Claude, um komplexe Telemetriedaten schneller zu interpretieren und Strategie-Szenarien zu simulieren.
Gerade im Jahr 2026 ist das entscheidend. Das neue Reglement mit aktiver Aerodynamik und der 50/50-Aufteilung zwischen Verbrenner und Elektroantrieb erzeugt Datenmengen, die menschliche Analysten kaum noch in Echtzeit bewältigen. Wer hier Muster schneller erkennt, gewinnt Zehntelsekunden auf der Strecke. Williams hofft, durch die KI-Unterstützung effizienter zu entwickeln als die finanzstärkere Konkurrenz.
Der digitale Rüstungswettlauf in der Boxengasse
Der Deal reiht sich in eine Kette von High-Tech-Partnerschaften ein, die die Formel 1 derzeit dominieren. Die Teams haben erkannt: Ohne KI fährt man hinterher.
McLaren & Google: Die Partnerschaft wurde jüngst erweitert. Google Gemini unterstützt die Strategen in Woking in Echtzeit bei Entscheidungen zu Reifenwechseln und Wetterprognosen.
Mercedes & G42: Das Team setzt auf die Expertise aus den Emiraten, um die Effizienz der neuen 2026er Power Unit zu maximieren.
Aston Martin & CoreWeave: Hier liegt der Fokus auf Cloud-Computing für Simulationen, um die begrenzten Windkanal-Stunden optimal zu nutzen.
Ferrari & AWS: Die Scuderia nutzt Amazon Web Services für CFD-Simulationen (Computational Fluid Dynamics), um die Aerodynamik des neuen Autos zu perfektionieren.
Sogar auf Fahrerseite spielt KI eine Rolle: Lewis Hamilton, der seine zweite Saison im Ferrari sitzt, trägt weiterhin das Logo der KI-Suchmaschine Perplexity auf dem Helm – ein persönlicher Deal, der zeigt, wie tief die Technologie in den Sport eingedrungen ist.
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Power Ranking 2026: Wer hat zum Saisonstart die Nase vorn?
Das Jahr 2026 markiert die größten Regeländerung seit langer langer Zeit. Neue Motoren, neue Chassis, aktive Aerodynamik und mit Cadillac ein elftes Team. Basierend auf den Eindrücken der ersten Shakedowns, der Motoren-Architektur und den neuen KI-Partnerschaften wagen wir eine Prognose für die Startaufstellung in Melbourne.
Die Favoriten
1. Mercedes-AMG: Die neuen Motorenregeln kommen Mercedes gelegen. Wie schon 2014 scheint der Hersteller aus Brixworth das effizienteste Paket aus Verbrennungs- und Elektroantrieb geschnürt zu haben. Zudem haben sie bei dem Test einen sehr starken Eindruck gemacht.
2. McLaren Racing: Das stabilste Team der letzten Jahre neben Red Bull und mit dem Mercedes-Motor im Rücken. Die Integration von Google-KI in die Rennstrategie könnte ein weiterer Pluspunkt sein.
3. Aston Martin Aramco: Adrian Neweys Handschrift zeigt sich am Auto für 2026. Radikal gedacht und die Saison 2025 früh hergeschenkt. Hier erwarte ich die größte Überraschung – vorausgesetzt, der Honda-Motor hält.
Das Verfolgerfeld
4. Ferrari: Wie jedes Jahr sind die Ansprüche am höchsten und der Motor scheint auch stark zu sein. Laut Berichten gibt es aber noch leichte Probleme mit der aktiven Aerodynamik. Ich hoffe, dass das gute Fahrerpaar ein Auto bekommt, mit dem es ab und zu um den Sieg mitfahren kann.
5. Red Bull Racing: Das erste Jahr mit dem eigenen „Ford-Motor” birgt Risiken. Die Dominanz der Vorjahre ist vorerst gebrochen, hier drohen Kinderkrankheiten. Außerdem sind fast alle Verantwortlichen der vergangenen Jahre gegangen. Egal, ob Adrian Newey, Christian Horner oder Helmut Marko.
6. Williams Racing: Der Gewinner der Vorbereitung ohne Vorbereitung? Das einzige Team, das nicht am Test teilgenommen hat, ist für mich trotzdem das beste der kleinen Teams. Dank des Mercedes-Motors im Heck und der neuen Effizienz durch Anthropic rückt das Team ins solide Mittelfeld auf.
7. Alpine: Neustart, kein Renault-Motor mehr – und trotzdem reicht es meiner Meinung nach nur für den vierten Platz der Mercedes-Motoren-Teams.
Die Nachzügler & Neulinge
8. Audi (Sauber): Der Einstieg als Werksteam gleicht einem Marathon. Der Motor läuft, aber dem Chassis fehlt im Vergleich zur Spitze noch Abtrieb. Im Laufe der Saison muss es jedoch stetig bergauf gehen.
9. VCARB: Das Juniorteam profitiert von Teilen von Red Bull, leidet aber unter denselben Unsicherheiten beim neuen Antriebsstrang.
10. Haas F1: Die Toyota-Allianz greift langsam, doch das Budgetlimit deckelt große Sprünge.
11. Cadillac: Das elfte Team bringt Glanz und Ferrari-Power, zahlt aber Lehrgeld. Die aggressive Aerodynamik ist mutig, doch fehlende Erfahrungswerte werden in den ersten Rennen für Rückstand sorgen.
Die Saison 2026 wird kein reines Fahrer-Duell mehr. Es ist ein Kampf der Algorithmen. Williams und Anthropic zeigen heute, dass der Laptop genauso wichtig geworden ist wie der Schraubenschlüssel.