Anthropic hat 81.000 Nutzer zu KI befragt
Die Umfrage zeigt, welche Berufsgruppen am stärksten von Automatisierung profitieren und diese gleichzeitig am meisten fürchten.

Anthropic befragte rund 81.000 Nutzer des KI-Modells Claude zu deren wirtschaftlichen Perspektiven. Dabei offenbart sich ein direkter Zusammenhang: Personen mit den größten Effizienzgewinnen im Berufsalltag fürchten gleichzeitig am stärksten um ihren Arbeitsplatz.
Konkrete Sorgen bei hoher Exponiertheit
Besonders Angestellte mit einem hohen Anteil an automatisierbaren Aufgaben äußern Bedenken über einen möglichen Jobverlust. Steigt die messbare KI-Exposition eines Berufsfeldes um zehn Prozentpunkte an, wächst die empfundene Bedrohung laut der Auswertung um 1,3 Prozentpunkte. Arbeitnehmer im obersten Viertel dieser Skala thematisieren ihre Ängste folglich dreimal so häufig wie jene im untersten Viertel.
Quelle: Anthropic
Zusätzlich spielt die Karrierestufe eine entscheidende Rolle bei der Zukunftsplanung. Berufsanfänger sehen ihre Position durch künstliche Intelligenz wesentlich stärker gefährdet als erfahrene Fachkräfte. Softwareentwickler äußern beispielsweise häufiger tiefgreifende Bedenken als Grundschullehrer, da sich aktuelle Modelle extrem stark auf Programmieraufgaben konzentrieren.
Quelle: Anthropic
Produktivität steigt bei extremen Gehältern
Trotz bestehender Unsicherheiten berichten die Befragten von spürbaren Arbeitserleichterungen. Auf einer Skala von eins bis sieben bewerten die Nutzer ihren Effizienzgewinn im Durchschnitt mit einem soliden Wert von 5,1. Interessanterweise verzeichnen primär Beschäftigte in Berufen mit den höchsten und den niedrigsten Einkommen die signifikantesten Fortschritte.
Führungskräfte und Softwareentwickler erzielen starke Verbesserungen, doch auch Berufsgruppen im Niedriglohnsektor profitieren messbar. Oft erweitern KI-Modelle das eigene Aufgabenspektrum grundlegend, anstatt bloß bestehende Prozesse zu beschleunigen. Knapp 48 Prozent der Anwender nennen diese Ausweitung der eigenen Fähigkeiten als größten Vorteil, während lediglich 40 Prozent die reine Zeitersparnis fokussieren.
Quelle: Anthropic
Zeitersparnis landet beim Angestellten
Eine zentrale Frage der Studie untersucht den tatsächlichen Verbleib der neu gewonnenen Zeit. Entgegen vieler Erwartungen fließen die Vorteile primär an die Arbeitnehmer selbst zurück. Angestellte nutzen die frei gewordenen Kapazitäten oft für neue Projekte, einen früheren Feierabend oder den Aufbau eigener Geschäfte. Lediglich zehn Prozent der Befragten geben an, dass Arbeitgeber oder Kunden aufgrund der Technologie ein höheres Arbeitspensum einfordern.
Dieser individuelle Profit hängt jedoch ebenfalls direkt von der beruflichen Stellung ab. Während 80 Prozent der leitenden Angestellten die Vorteile erfolgreich für sich beanspruchen, gelingt dies nur 60 Prozent der Berufseinsteiger.
Quelle: Anthropic
Das Tempo-Paradoxon
Abschließend beleuchtet die Untersuchung das Verhältnis zwischen Arbeitsgeschwindigkeit und gefühlter beruflicher Bedrohung. Hierbei zeichnet sich in den Daten eine U-förmige Kurve ab. Personen, die durch die Nutzung von KI in ihrer eigentlichen Arbeit verlangsamt werden – wie einige Künstler oder Autoren –, sehen ihre Lebensgrundlage stark bedroht. Sie empfinden die Modelle oft als zu starr, befürchten aber dennoch eine zukünftige Entwertung ihrer kreativen Arbeit.
Auf der anderen Seite des Spektrums wächst die Sorge parallel bei jenen Anwendern, deren Arbeitsabläufe extrem beschleunigt werden. Schrumpft der Zeitaufwand für den eigenen Job rapide zusammen, entsteht naturgemäß eine deutlich größere Unsicherheit über die zukünftige Relevanz dieser speziellen Rolle im Unternehmen. Diese Erkenntnisse stützen sich primär auf die textlichen Antworten der Nutzer und verdeutlichen die hochgradig komplexe wirtschaftliche Wahrnehmung der Technologie in der Arbeitswelt.




