Anthropic riskiert im Streit mit dem Pentagon alles
Wegen Bedenken bei autonomen Waffen und Überwachung lehnt das Unternehmen ein Ultimatum ab. Nun drohen schwere Sanktionen durch die Regierung.

Das KI-Unternehmen Anthropic stellt sich offen gegen das US-Verteidigungsministerium. CEO Dario Amodei weigert sich, die Sicherheitsvorgaben des KI-Modells Claude für das Militär zu streichen, obwohl das Pentagon mit dem Ausschluss aus einem lukrativen Regierungsvertrag droht.
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A statement from Anthropic CEO, Dario Amodei, on our discussions with the Department of War.https://t.co/rM77LJejuk
— Anthropic (@AnthropicAI) February 26, 2026
Streit um autonome Waffen und Überwachung
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat dem KI-Entwickler eine strikte Frist bis Freitagnachmittag gesetzt. Das Pentagon fordert, dass Anthropic alle internen Beschränkungen für sein Modell aufhebt und dem Militär die uneingeschränkte Nutzung für sämtliche rechtmäßigen Zwecke erlaubt.
Anthropic lehnt diese Forderung in einer offiziellen Stellungnahme ab. Das Unternehmen zieht bei der Nutzung seiner Technologie zwei klare rote Linien. Es verbietet den Einsatz von Claude für die inländische Überwachung der Bevölkerung sowie für vollautonome Waffensysteme.
Hintergrund dieser Entscheidung ist die technologische Reife der Systeme. Bei Claude handelt es sich um ein fortschrittliches KI-Modell, das große Mengen an Informationen in kürzester Zeit analysieren und verknüpfen kann. Aktuelle Systeme sind laut Anthropic jedoch noch nicht zuverlässig genug, um gänzlich ohne menschliche Kontrolle über den Einsatz von Waffen zu entscheiden. Gleichzeitig bergen die starken Fähigkeiten zur Datenanalyse bei der Überwachung von Bürgern große Risiken für die Privatsphäre.
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Zunehmender Druck durch die Regierung
Das Pentagon reagiert mit deutlichen Drohungen auf diese Weigerung. Sollte Anthropic nicht rechtzeitig nachgeben, will das Ministerium einen bestehenden Vertrag über 200 Millionen US-Dollar kündigen.
Zusätzlich erwägt die Behörde drastischere Maßnahmen. Sie könnte das Unternehmen als Sicherheitsrisiko für die Lieferkette einstufen. Dieser Schritt würde bedeuten, dass auch andere Rüstungsunternehmen und Zulieferer nicht mehr mit Anthropic zusammenarbeiten dürfen. Alternativ steht die Anwendung des sogenannten Defense Production Act im Raum. Dieses US-Gesetz kann private Firmen im Namen der nationalen Sicherheit zur Kooperation zwingen.
Anthropic-Chef Dario Amodei bezeichnet diese Drohungen als widersprüchlich. Die Regierung bezeichne die Firma einerseits als nationales Sicherheitsrisiko, betrachte das KI-Modell aber gleichzeitig als unverzichtbar für die Verteidigung.
Vertreter des Pentagons weisen die Bedenken zurück. Sie betonen, dass sie keine rechtswidrige Überwachung planen. Die Behörde vertritt den Standpunkt, dass die Verantwortung für die rechtmäßige Nutzung allein beim Militär liege. Diese Einsatzregeln dürften nicht von einem privaten Software-Anbieter diktiert werden.
Bis zum Ablauf der Frist am späten Freitagabend bleibt die zukünftige Zusammenarbeit zwischen dem US-Militär und Anthropic ungeklärt.