Sam Altman im Interview

Sam Altman: »Wir befinden uns in der Singularität«

Der OpenAI Chef sieht uns mitten in einer historischen Wende. ChatGPT war laut ihm erst der Anfang.

Andreas Becker GPT-Images-2.0
Sam Altman im Interview

OpenAI-Chef Sam Altman stuft die technologische Singularität nicht länger als Zukunftsszenario ein. Dafür richtet das Unternehmen seinen Fokus nun radikal auf Coding-Agenten und den massiven Ausbau physischer Infrastruktur wie Chips und Strom.

Ein fließender Übergang

Die Singularität galt lange als ferner Theorie-Moment, an dem Maschinen den Menschen schlagartig überholen. Sam Altman sieht das anders. Für ihn ist dieser Punkt kein einzelner Tag, sondern ein laufender, exponentieller Prozess. Im Gespräch mit dem Investor Tilo Morse machte er klar: »We are now in the singularity.«

Die aktuelle Phase sei historisch. Während die Branche vor zehn Jahren noch über theoretische Möglichkeiten debattierte, bauen Tech-Konzerne heute riesige Rechenzentren, und KI-Systeme übernehmen immer mehr komplexe Aufgaben im Alltag. Laut Altman kann die Entwicklung noch in unterschiedliche Richtungen abbiegen. Er selbst blickt optimistisch auf die Technik, bezeichnete aber alternative Zukunftsvisionen anderer Unternehmen als teils beängstigend.

Digitale Mitarbeiter statt Video-KI

Die neue Einschätzung verändert die Prioritäten bei OpenAI. Altman sieht den Markt in drei Wellen: Nach Chatbots wie ChatGPT folgen aktuell Coding-Agenten, die rasant wachsen. Danach kommen dauerhafte digitale Assistenten, die wie echte Mitarbeiter agieren.

Um sie schneller auf den Markt zu bringen, hat OpenAI intern umgesteuert. Das Unternehmen zog Ressourcen von der Video-KI Sora und einem eigenen Browserprojekt ab. Die gewonnene Rechenleistung und Energie fließen direkt in die Entwicklung der Agenten. Solche Entscheidungen seien schmerzhaft, aber für den Weg zur Superintelligenz zwingend erforderlich.

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Chips und Strom als Nadelöhr

Die physische Infrastruktur gibt das Tempo dieser Entwicklung vor. Altman räumte ein, dass er die nötige Rechenleistung in der Vergangenheit unterschätzt habe, weil er sich von Finanzmärkten verunsichern ließ.

Auf die Frage nach den aktuellen Hürden nannte er eine klare Reihenfolge: Erst Transistoren, dann Strom. OpenAI will deshalb Chipdesign, Hardware und Energieversorgung künftig enger abstimmen. Altman skizzierte sogar automatisierte Infrastrukturen, bei denen Roboter neue Rechenzentren bauen, um die Kapazitäten eigenständig zu erweitern.

Dezentrale Nutzung gegen zentrale Kontrolle

Neben der Technik sieht Altman eine politische Richtungsentscheidung. Er warnt vor einem KI-Autoritarismus, bei dem wenige Firmen die stärksten Modelle zentral kontrollieren und dies mit Sicherheit rechtfertigen. Er fordert stattdessen günstige und breit verfügbare Technologie.

Nutzer sollen diese Systeme nach eigenen Vorstellungen einsetzen können, solange bestimmte Schutzregeln greifen. Einen zentralen »Maschinen-Gott« lehnt er ab.

Diese dezentrale Vision steht allerdings im Kontrast zur Realität: OpenAI entwickelt selbst geschlossene KI-Modelle und konzentriert die dafür nötigen gewaltigen Rechenkapazitäten bei sich und wenigen großen Partnern.

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