Ein Neo Roboter spielt XBox

Roboter NEO bekommt fühlende Hände

Das Tech-Unternehmen 1X verbaut feinfühlige Sehnenantriebe für hochpräzise Arbeiten im Millimeterbereich.

Andreas Becker GPT-Images-2.0
Ein Neo Roboter spielt XBox

Das Robotikunternehmen 1X hat neue Roboterhände für sein humanoides Modell NEO präsentiert. Das sehnengetriebene System bietet 25 Freiheitsgrade und verarbeitet haptisches Feedback direkt in den Gelenken. Die hauseigene Serienproduktion ist bereits angelaufen.

Die bisherigen Probleme

Bisherige Robotersysteme steuern oft einfache Greifer an, die Bewegungen stur und ohne Gefühl ausführen. Das Modell von 1X erfasst seine Umgebung hingegen direkt durch Berührung. Ein quasi-direkter Sehnenantrieb arbeitet mit niedrigen Übersetzungsverhältnissen zwischen 5:1 und 15:1. Herkömmliche Getriebe schlucken physische Kontaktkräfte meist, bevor sie den Motor erreichen. Bei NEO fließen diese Kräfte ungehindert zurück.

Drückt der Finger gegen einen Widerstand, gibt er physisch nach und meldet den exakten Druck an die Steuerungseinheit. 1X bezeichnet dieses beidseitige Lesen und Schreiben von Kräften als Force Transparency. Das Modell muss kleine Objekte nicht mehr blind über Kameras abschätzen, sondern begreift sie im Wortsinn.

Mechanik aus dem Unterarm

Um das Gewicht der Hände niedrig zu halten und Überhitzung zu vermeiden, sitzen die Antriebsmotoren im Unterarm des Roboters. Von dort aus ziehen hauseigene Sehnen durch das Handgelenk bis in die Fingerspitzen. Die Mechanik orientiert sich eng an der menschlichen Anatomie, besonders durch den voll opponierbaren Daumen.

Die technischen Eckdaten der Hände:

  • 25 Freiheitsgrade (22 in Fingern und Handfläche, 3 im Handgelenk)
  • Positionierungsgenauigkeit von ±0,2 Millimetern
  • 17,75 Nm Drehmoment im Handgelenk
  • IP68-Zertifizierung und lebensmittelechte Konstruktion

Für die Feinmotorik überzieht eine funktionale Haut die Fingerkuppen. Die integrierten Sensoren messen den exakten Kontaktpunkt, normalen Druck und auftretende Scherkräfte. Beginnt ein Glas aus der Hand zu gleiten, registriert die Software das Rutschen in Echtzeit und der Roboter korrigiert den Griff.

Quelle: 1X

Konstruiert für den physischen Alltag

Ständige physische Kontakte bedeuten Verschleiß. 1X hat die gesamte Mechanik auf Robustheit getrimmt. Gelenke und Sehnen überstehen Millionen von Bewegungszyklen. Bei harten Schlägen von außen gibt die Konstruktion nach. Diese Nachgiebigkeit schützt die Hardware und verhindert Verletzungen, wenn der Roboter direkt neben Menschen arbeitet. Da das System nach IP68 gegen Wasser und Staub abgedichtet ist, lässt es sich nach Verschmutzungen am Waschbecken reinigen.

Der norwegisch-amerikanische Hersteller baut die Komponenten nicht nur für Forschungszwecke. Eine dedizierte Fertigungslinie produziert die Hände bereits. Sehnen, Motoren, Elektronik und Sensoren fertigt 1X komplett intern. Das Unternehmen plant, bis Jahresende 10.000 Einheiten auszuliefern.

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