Claude Mythos 5 und Claude Fable 5 erschienen
Anthropic teilt sein neues System auf und veröffentlicht eine unzensierte Spezialversion exklusiv für Cybersicherheitsbehörden.

Anthropic stellt mit Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 eine neue Leistungsklasse seiner KI-Modelle vor. Die Systeme übertreffen bisherige Versionen deutlich und setzen neue Bestwerte in der Softwareentwicklung, der Bilderkennung sowie in der biologischen Forschung. Um Missbrauch zu verhindern, führt das Unternehmen zudem ein neues Sicherheitssystem ein.
Fable 5 und Mythos 5: Warum zwei Modelle?
Bisher veröffentlichte Anthropic in der Regel ein zentrales Modell für alle Nutzer. Bei der neuen Generation ändert das Unternehmen diese Strategie und teilt das System in zwei Varianten auf. Der Grund liegt in den weitreichenden Fähigkeiten des Modells, die insbesondere im Bereich der Cybersicherheit potenziell gefährlich sind.
Claude Fable 5 ist für die breite Öffentlichkeit bestimmt und verfügt über strenge Sicherheitsfilter. Diese blockieren riskante Anfragen zuverlässig und schränken das System bei heiklen Themen ein. Claude Mythos 5 basiert auf exakt derselben technischen Grundlage, kommt jedoch ohne diese weitreichenden Einschränkungen aus.
Anthropic stellt Mythos 5 ausschließlich einer kleinen Gruppe überprüfter Cyberverteidiger und Regierungsbehörden zur Verfügung. Dieser zweigleisige Ansatz soll sicherstellen, dass die hohe Leistungsfähigkeit der KI der Allgemeinheit zugutekommt, ohne gleichzeitig böswilligen Akteuren eine Vorlage für Cyberangriffe zu liefern.
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Benchmarks im Detail: Deutlicher Vorsprung vor der Konkurrenz
In standardisierten Leistungstests zeigt die neue Modellgeneration durchgehend Bestwerte. Beim »SWE-Bench Pro«, einem Test für autonome Programmierung, erreicht Fable 5 eine Erfolgsquote von 80,3 Prozent. Das Konkurrenzmodell GPT 5.5 kommt hier lediglich auf 58,6 Prozent.
Quelle: Anthropic
Noch deutlicher fällt der Unterschied im »FrontierCode«-Benchmark aus. Hier löst Fable 5 starke 29,3 Prozent der komplexen Aufgaben, während GPT 5.5 bei 5,7 Prozent verharrt. Die internen Tests zeigen auch, dass die höhere Präzision mit höheren Rechenkosten pro Aufgabe einhergeht, Fable 5 die gestellten Programmierprobleme aber deutlich verlässlicher abschließt.
Quelle: Anthropic
Auch bei der generellen Computerbedienung »OSWorld-Verified« setzt sich die neue Generation mit einer Erfolgsquote von 85,0 Prozent an die Spitze. Gleichzeitig bleibt das System sicher: In Tests zu fehlausgerichtetem Verhalten erreicht Mythos 5 einen niedrigen Wert von 2,06 auf einer Skala bis 10. Das Modell agiert damit ähnlich kontrolliert wie das Vorgängersystem Opus 4.8.
Quelle: Anthropic
Visuelle Intelligenz und autonome Bedienung
Fable 5 setzt neue Standards bei Aufgaben, die visuelles Verständnis erfordern. Das Modell extrahiert präzise Zahlen aus komplexen wissenschaftlichen Diagrammen. Zudem baut die Software den Code einer kompletten Webanwendung nach, wenn sie lediglich Screenshots der Benutzeroberfläche erhält.
Die visuellen Fähigkeiten zeigen sich auch bei Videospielen. In einem Test spielte Fable 5 den Titel »Pokémon FireRed« von Anfang bis Ende durch. Das KI-Modell nutzte dafür ausschließlich rohe Bildschirmfotos und griff auf keinerlei Kartenmaterial, Navigationshilfen oder interne Spieldaten zurück.
Zusätzlich verarbeitet die Software Informationen über sehr lange Kontexte hinweg. Bei dem Kartenspiel »Slay the Spire« verbesserte die KI ihre Leistung durch eigene Notizen deutlich und erreichte das Finale dreimal häufiger als die Vorgängerversion.
Und selbst das Strategiespiel ist kein Problem für das KI-Modell Fable.
Leistungssprung im Unternehmensalltag
Fable 5 bearbeitet komplexe Aufgaben deutlich autonomer als ältere Generationen. Der Zahlungsdienstleister Stripe berichtet, dass das Modell die Migration einer Ruby-Codebasis mit 50 Millionen Zeilen an einem einzigen Tag abschloss. Ein menschliches Team hätte dafür laut Anbieter über zwei Monate Handarbeit benötigt.
Im Bereich der Wissensarbeit glänzt das System bei komplexen analytischen Prozessen. Im Finanz-Benchmark des Anbieters Hebbia erzielt Fable 5 die bisher höchste Punktzahl aller Modelle. Das Finanzunternehmen IMC bestätigt diese Ergebnisse und lobt das System für präzise Faktenrecherchen und Ursachenanalysen im Börsenhandel.
Grundsätzlich kann man bei den Benchmarks sagen, dass das neue Modell quasi überall führend ist.
Quelle: Anthropic
Sicherheit und Fallback-Mechanismus
Die gestiegenen Fähigkeiten bergen insbesondere im Bereich der Cybersicherheit und der Biologie hohe Risiken. Anthropic liefert Fable 5 daher mit strengen Klassifikatoren aus. Diese Filter erkennen Versuche, das System für schädliche Zwecke zu missbrauchen oder seine Fähigkeiten zu kopieren.
Die Filter wirken äußerst effektiv: Bei automatisierten Hacker-Tests sinkt die Erfolgsquote für Cyberangriffe durch die Schutzmechanismen von Fable 5 auf 5,4 Prozent.
Quelle: Anthropic
Bei offensiven Cyber-Evaluationen wie dem »Firefox-Exploit-Test« verzeichnet Fable 5 eine Erfolgsquote von 0,0 Prozent. Der Filter hat seine Aufgabe also erfüllt. Im Gegensatz dazu löst das ungefilterte Mythos 5 hier 88,4 Prozent der Aufgaben. Das ist dann auch der Grund, warum die breite Masse nur Zugriff auf Fable bekommt.
Quelle: Anthropic
Schlägt ein Filter an, verweigert Fable 5 nicht einfach die Antwort. Stattdessen übernimmt automatisch das schwächere Vorgängermodell Claude Opus 4.8 die Anfrage. Dieser Wechsel betrifft laut Entwickler weniger als fünf Prozent der Nutzersitzungen.
Mythos 5 für Spezialisten
Für eine kleine Gruppe von Experten bietet Anthropic die uneingeschränkte Version Claude Mythos 5 an. Das KI-Modell besitzt laut Anthropic die derzeit stärksten Cybersicherheitsfähigkeiten weltweit. Es richtet sich im Rahmen des »Project Glasswing« zunächst an Cyberverteidiger und Infrastrukturanbieter in Zusammenarbeit mit der US-Regierung.
In der Forschung liefert die Spezialversion bereits konkrete Ergebnisse. Das KI-Modell beschleunigte Teile der Medikamentenentwicklung um das Zehnfache und entwarf vielversprechende Proteinstrukturen. Mythos 5 wählt dabei selbstständig Bindungsstellen aus und bedient Design-Programme völlig autonom.
Quelle: Anthropic
Später soll der Zugang durch ein spezielles Programm auf weitere Forschungseinrichtungen ausgeweitet werden. Anthropic plant Programme für Biologen, um die biomedizinische Forschung zu beschleunigen.
Preise, Verfügbarkeit und Datenschutz
Fable 5 und Mythos 5 kosten zehn US-Dollar pro einer Million Eingabe-Token. Für eine Million Ausgabe-Token berechnet der Anbieter 50 US-Dollar. Dieser Preis ist laut Anthropic weniger als halb so hoch wie bei der bisherigen Preview-Version. Aber natürlich trotzdem doppelt so teuer wie bei Claude Opus.
Fable 5 ist ab heute global über die API verfügbar. In den Abonnement-Tarifen ist das Modell bis zum 22. Juni ohne Zusatzkosten enthalten. Danach müssen Nutzer aufgrund der erwarteten hohen Auslastung vorerst zusätzliche Guthaben erwerben.
Mit den neuen Modellen ändert sich auch der Umgang mit Geschäftsdaten. Anthropic speichert den gesamten Datenverkehr der neuen Leistungsklasse für 30 Tage. Das Unternehmen will komplexe Angriffe so besser analysieren können. Die Entwickler nutzen diese Informationen jedoch nicht für das Training neuer KI-Modelle.
Viel Spaß beim ausprobieren.






