3 Programmierer aus verschiedenen Ländern

Silicon Valley übernimmt Chinas brutale "996-Arbeitskultur" für KI

Während deutsche Firmen Arbeitszeit reduzieren, fordern US-Startups jetzt 72-Stunden-Wochen für den technologischen Vorsprung.

Andreas Becker Nano Banana
3 Programmierer aus verschiedenen Ländern

US-Startups setzen im Wettlauf um künstliche Intelligenz zunehmend auf extreme Arbeitszeiten. Das aus China bekannte 996-Modell mit 72-Stunden-Wochen verdrängt die bisherige Wohlfühlkultur kalifornischer Tech-Firmen. Währenddessen debattiert Deutschland kontrovers über die Notwendigkeit von Mehrarbeit zur Sicherung des Standorts.

Abschied von der Komfortzone

Die Zeiten von kostenlosen Massagen und entspannten Brainstorming-Sessions am Kicker-Tisch neigen sich in Kalifornien dem Ende zu. Junge KI-Unternehmen fordern von ihren Entwicklern neuerdings bedingungslosen Einsatz. Der neue Standard orientiert sich an Chinas berüchtigter Arbeitsmoral.

Das Konzept nennt sich 996 und definiert den Arbeitstag von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends an sechs Tagen die Woche. Investoren und Gründer sehen darin die einzige Möglichkeit, die Entwicklungszyklen für neue Modelle drastisch zu verkürzen. Wer in diesem Umfeld bestehen will, muss sein Privatleben der Firma unterordnen.

Anzeige

Der Druck aus Fernost

Die Ironie dieser Entwicklung liegt in der Herkunft des Modells. China selbst erklärte diese extremen Arbeitszeiten bereits 2021 offiziell für rechtswidrig, nachdem es zu mehreren Todesfällen durch Überarbeitung gekommen war. Dennoch gilt die Geschwindigkeit chinesischer Ingenieure im Silicon Valley als Maßstab.

Amerikanische Firmen befürchten den Anschluss an die technologische Spitze zu verlieren. Dieser Konkurrenzdruck führt dazu, dass westliche Standards für Arbeitsschutz in der Start-up-Szene faktisch ausgehebelt werden. Es zählt nur noch der Output pro Woche.

Kontrastprogramm Deutschland

Hierzulande verläuft die Diskussion um Arbeitszeit und Produktivität unter völlig anderen Vorzeichen. Zwar warnen Wirtschaftsverbände regelmäßig vor Wohlstandsverlusten und fordern wieder mehr Leistungsbereitschaft. Die Realität in den Betrieben zeigt jedoch einen Trend zur Arbeitszeitverkürzung.

Modelle wie die Vier-Tage-Woche stehen bei deutschen Arbeitnehmern hoch im Kurs. Der Fachkräftemangel gibt Bewerbern die Macht, bessere Konditionen und weniger Überstunden zu verhandeln. Ein 72-Stunden-Modell nach US-Vorbild scheint im deutschen Arbeitsrecht und der hiesigen Unternehmenskultur kaum durchsetzbar.

Anzeige

Risiken für die Branche

Die Rückkehr zur „Grind Culture“ birgt langfristige Gefahren für den gesamten Tech-Sektor. Experten sehen eine Welle von Burnouts auf die Branche zukommen. Hochspezialisierte Talente könnten aufgrund der physischen Belastung frühzeitig ausfallen.

Unternehmen tauschen somit kurzfristige Produktivitätsgewinne gegen die langfristige Gesundheit ihrer Belegschaft. Für deutsche Entwickler bedeutet der Blick über den Atlantik eine Neubewertung der eigenen Arbeitsbedingungen. Der globale Wettbewerb um KI-Dominanz wird zunehmend auf dem Rücken der Entwickler ausgetragen.

KI-Wissen ohne Paywall

Unsere Inhalte sind und bleiben kostenlos. Wenn dir unsere News und Tutorials gefallen oder weiterhelfen, freuen wir uns über eine kleine Unterstützung.

Jeder Beitrag zählt – auch das Teilen.