Open Responses: Das Ende des API-Chaos im KI-Markt?
OpenAI, Hugging Face und Vercel starten überraschende Allianz für einen neuen, globalen Industriestandard.

Die Fragmentierung im KI-Markt könnte bald der Vergangenheit angehören: OpenAI hat diese Woche gemeinsam mit Schwergewichten wie Hugging Face und Vercel die Initiative "Open Responses" gestartet. Ziel ist eine einheitliche, offene Spezifikation, die den Austausch von KI-Modellen in Anwendungen radikal vereinfacht und erstmals auch komplexe Agenten-Workflows standardisiert.
Das Ende des Schnittstellen-Chaos
Bisher war der Wechsel von einem KI-Anbieter zum anderen für Entwickler oft mit frustrierender Kleinarbeit verbunden. Zwar orientierten sich viele Anbieter wie Mistral oder Groq bereits inoffiziell an der OpenAI-Struktur, doch kleine technische Abweichungen führten regelmäßig zu Inkompatibilitäten. Mit "Open Responses" wird die bisherige proprietäre API-Struktur nun offiziell zur offenen Spezifikation, die sofort von einer breiten Allianz aus OpenRouter, Ollama und LM Studio unterstützt wird.
Der neue Standard geht dabei weit über das einfache Versenden von Textnachrichten hinaus, das wir von klassischen Chatbots kennen. Er definiert erstmals verbindlich, wie moderne "Reasoning-Modelle" – also KIs, die vor der Antwort "nachdenken" – ihre internen Gedankengänge transparent machen. Entwickler erhalten über standardisierte Felder Zugriff auf diese "Reasoning Traces", was das Debuggen komplexer KI-Anwendungen massiv erleichtert und die Abhängigkeit von undurchsichtigen Black-Box-Systemen reduziert.
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Agenten und Tools im Fokus
Ein zentraler Bestandteil der Spezifikation ist die native Unterstützung für sogenannte agentische Workflows, die im Jahr 2026 immer wichtiger werden. Während die alte "Chat Completions API" primär für einfache Dialoge gedacht war, integriert Open Responses standardisierte Formate für Werkzeugnutzung, Websuche und Code-Ausführung direkt in das Protokoll. Das ermöglicht es Software, autonomer zu agieren, ohne dass Entwickler für jedes Modell eigene "Adapter" schreiben müssen.
Der bekannte Entwickler und Blogger Simon Willison bezeichnete den Schritt als die Standardisierung, die er sich für die Welt der LLMs "am meisten gewünscht hat". Die breite Unterstützung durch Infrastruktur-Anbieter wie Vercel signalisiert, dass sich der Markt schnell auf diesen gemeinsamen Nenner einigen dürfte. Für Unternehmen bedeutet dies mehr Investitionssicherheit: Sie können ihre Software auf einer stabilen Basis bauen, die interoperabel bleibt und den sogenannten Vendor-Lock-in effektiv verhindert.