Eine Landkarte von Indien

Indien lockt KI-Konzerne mit Steuerfreiheit bis 2047

Finanzministerin Sitharaman streicht Steuern für ausländische Cloud-Dienste, um globale Rechenleistung auf den Subkontinent zu holen.

Andreas Becker Nano Banana
Eine Landkarte von Indien

Indien positioniert sich aggressiv als neuer Hub für künstliche Intelligenz und erlässt ausländischen Unternehmen bis zum Jahr 2047 komplett die Steuern auf Cloud-Dienste. Finanzministerin Nirmala Sitharaman zielt mit diesem Schritt im Budget 2026 direkt auf die rechenintensiven AI-Workloads globaler Konzerne.

Steuerliche Offensive für die Cloud

Die indische Regierung streicht die Steuern für internationale Tech-Akteure bei der Nutzung lokaler Infrastruktur faktisch. Einkünfte, die aus Leasinggebühren für Server, Rack-Space oder Cloud-Services entstehen, bleiben für ausländische Firmen komplett steuerfrei. Der Fokus liegt hierbei klar auf der Anmietung von reiner Hardware-Kapazität für datenintensive Prozesse.

Diese Befreiung gilt ab dem 1. April 2026 und läuft langfristig bis zum 31. März 2047. Neu-Delhi bietet damit Planungssicherheit für einen ungewöhnlich langen Zeitraum von über 20 Jahren. Unternehmen können ihre langfristigen Infrastruktur-Investitionen nun ohne steuerliche Belastung auf dem Subkontinent kalkulieren.

Finanzministerin Nirmala Sitharaman betonte im Rahmen der Budgetrede 2026-27 die strategische Bedeutung dieser Maßnahme. Ziel ist es, die enormen Datenmengen der globalen KI-Entwicklung ins eigene Land zu holen. Rechenleistung wird durch diesen Schritt zu einem der wichtigsten exportierbaren Wirtschaftsgüter Indiens.

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Harte Kriterien für die Befreiung

Der Steuererlass ist an strikte Voraussetzungen geknüpft und gilt nicht pauschal für jeden Marktteilnehmer. Profitieren können ausschließlich Unternehmen, die keine feste Betriebsstätte oder sogenannte "Permanent Establishment" in Indien unterhalten. Die bloße Nutzung von Datenzentren gilt nach der neuen Regelung explizit nicht als steuerpflichtige Niederlassung.

Dies schützt den indischen Fiskus vor Gewinnverlagerungen bei regulären Geschäftstätigkeiten. Wer bereits Entwickler-Teams oder Verkaufsbüros vor Ort hat, fällt zunächst nicht unter diese Sonderregelung. Die Trennlinie zwischen reiner Datennutzung und operativer Präsenz ist im Gesetzestext scharf gezogen.

Juristen und Steuerberater werden in den kommenden Monaten Strukturen prüfen müssen, um diese Vorgaben zu erfüllen. Für Tech-Konzerne geht es um potenzielle Einsparungen in Milliardenhöhe. Die Definition der Betriebsstätte wird zum entscheidenden Faktor für die Anwendbarkeit der Null-Steuer-Politik.

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Indien als neue Werkbank der KI

Der Schritt ist eine direkte Reaktion auf den weltweiten Engpass an verfügbaren Rechenzentrums-Kapazitäten. Während westliche Märkte oft mit Stromknappheit und langwierigen Genehmigungsverfahren kämpfen, schafft Indien jetzt harte ökonomische Anreize. Lokale Anbieter wie Reliance oder Yotta bauen ihre Kapazitäten derzeit bereits im großen Stil aus.

Die Verlagerung von AI-Training-Workloads nach Indien senkt die operativen Kosten für US-amerikanische und europäische Unternehmen signifikant. Strom und Infrastruktur sind vor Ort günstiger, die Steuerlast auf die Dienstleistung fällt nun komplett weg. Indien positioniert sich damit effektiv als das Backend der globalen KI-Industrie.

Marktbeobachter sehen darin eine Neuordnung der IT-Landkarte weg von traditionellen Hubs. Standorte wie Singapur oder Dubai erhalten durch die aggressive Steuerpolitik ernstzunehmende Konkurrenz. Daten sind der Rohstoff der KI-Ära, und Indien stellt nun die günstigsten Raffinerien dafür bereit.

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