Dieser humanoide Roboter verändert den Werftalltag
Das Start-up Generative Bionics liefert die Technik für autonome Schweißarbeiten direkt neben menschlichen Arbeitern im Werftalltag.

Der italienische Schiffbaukonzern Fincantieri und das Robotik-Unternehmen Generative Bionics haben eine strategische Partnerschaft für den Werfteinsatz autonomer Maschinen geschlossen. Im Zentrum steht die Entwicklung eines humanoiden Roboters, der ab Ende 2026 komplexe Schweißarbeiten direkt neben menschlichen Fachkräften ausführen soll.
Fokus auf Arbeitssicherheit und Präzision
Der geplante Schweißroboter zielt auf die Automatisierung körperlich anspruchsvoller und gefährlicher Aufgaben im Schiffbau ab. Laut den Projektpartnern soll die Maschine die Qualität der Schweißnähte konstant hoch halten und gleichzeitig die Arbeitssicherheit des Personals deutlich erhöhen. Die Konstruktion erfordert eine direkte, unfallfreie Kollaboration mit menschlichen Arbeitern. Schutzzäune oder abgesperrte Areale, die den normalen Werftbetrieb stören würden, sollen bei diesem Ansatz entfallen.
Für diese komplexen Anforderungen nutzt Generative Bionics fortschrittliche Algorithmen, welche als Physical AI bezeichnet werden. Die Steuerung verarbeitet taktile und visuelle Sensordaten aus der unmittelbaren Umgebung lokal. Dadurch passt die Maschine ihre Bewegungen in Echtzeit an unerwartete Veränderungen an. Spezielle optische Systeme überwachen dabei kontinuierlich den eigentlichen Schweißvorgang und prüfen die Integrität der gesetzten Nähte.
Mobilität im Werftalltag
Eine besondere Hürde stellt die Fortbewegung in den engen, verwinkelten Stahlstrukturen eines Schiffsrumpfes dar. Der humanoide Roboter erhält ein angepasstes System zur Lokomotion, um steile Treppen, hohe Schwellen und unebene Industrieböden sicher zu überwinden. Der Hersteller verspricht eine hohe Agilität für diese Aufgaben. In der Praxis muss sich allerdings erst noch zeigen, wie gut die feine Mechanik und die Sensorik langfristig mit Hitze, Staub und fliegenden Funken zurechtkommen.
Das gesamte Programm ist auf eine Dauer von vier Jahren ausgelegt. Fincantieri betrachtet die Automatisierung als notwendigen Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schiffbauindustrie angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels zu erhalten. Die ersten Praxistests finden in der Werft in Sestri Ponente nahe Genua statt.
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Schrittweise Integration in die Produktion
Der Zeitplan sieht vor, dass die ersten Versuche im realen Werftumfeld bereits Ende 2026 starten. Innerhalb der ersten zwei Projektjahre planen die beteiligten Ingenieure, die grundlegenden Schweißfunktionen vollständig und fehlerfrei zu implementieren. Die restliche Laufzeit dient der Optimierung der Abläufe, der Vorbereitung einer breiten Skalierung sowie der notwendigen industriellen Zertifizierung der Hard- und Software.
Der technologische und finanzielle Rückhalt für das Vorhaben gilt als solide. Generative Bionics sicherte sich erst Ende 2025 frisches Kapital in Höhe von 70 Millionen Euro. Zu den namhaften Geldgebern zählen AMD, Tether und der KI-Fonds von CDP Venture Capital. Diese Mittel fließen nun direkt in die Entwicklung der branchenspezifischen Prototypen und den Aufbau der geforderten Produktionskapazitäten.